4 eigenhändige Briefe mit Unterschrift. Davos, 3. August 1926 - 4. September 1926. 4to. 14 Seiten.
Inhaltsreiche Briefe an den Berliner Kunstsammler Max Kruss über den Kauf des Gemäldes "Märchenerzählerin" mit längeren Ausführungen zu passender Rahmung eigener Bilder, Hängungen expressionistischer Bilder auf Ausstellungen, Vorlieben (Ernst Gosebruch) und Antipathien (Ludwig Justi) gegenüber Museumsdirektoren, die jungen Schweizer Künstler (Albert Müller), jüngste Veröffentlichungen zum eigenen Werk, seine Einstellung zur "Neuen Sachlichkeit" usw. - Papier etw. gebräunt, Ränder teils lädiert. - 1.) 3. August 26 (4 Seiten): "Ich muss Ihnen sagen, dass meinen Bildern schwarze Rahmen nicht gut tun, auch wenn sie sehr schmal sind, etw. 8 cm breit höchstens, sonst werden durch das schwere Schwarz die feinen Tonübergänge meiner Bilder totgeschlagen. Nolde und S.-R. [Schmidt-Rottluff] vertragen und gewinnen durch schwarze Rahmen, meine aber nicht. Für meine Bilder ist Gold speciell Grüngold die richtige neutrale Rahmung... Ich stehe mit Justi nicht gut, weil man dort nie auf meine Vorschläge hören will und so alle Bemühungen, der Galerie Gutes zu verschaffen, scheitern müssen. Es ist schade, denn so wird durch Justi diese Galerie, die doch eigentlich eine Ehrengalerie in Deutschland sein sollte, immer tiefer heruntergewirtschaftet und lächerlich gemacht. Wie liebevoll, wie verständisvoll und feinsinnig wirkt dagegen Gosebruchs Sammlung in Essen." - 2) 12. August 26 (5 Seiten): "Sehr richtig empfinden Sie das unangenehme Sich laut machen der Dresdner Lokalgrössen alles Leute der im Sterben liegenden Akademie - Dresden. Auch ich bin empört, wie schlecht Nolde und Heckel und besonders Schmidt-Rottluff gehängt sind, konnte aber nichts machen... Es ist heute leider noch so, dass für unsere eigentlich starke neu-deutsche Kunst bei den massgebenden Leuten und Rechten kein Gefühl da ist und dass sie au fond mit dieser Kunst nichts anfangen können. So wissen sie auch nicht wie solche Bilder gehängt werden... Ich stehe mit meiner Arbeit auch in dieser Richtung ganz allein und werde deshalb als schwierig und unangenehm bezeichnet, trotzdem ich nur für die künstlerischen Dinge kämpfe." - 3) 18. August 26 (2 Seiten): "...damit ist also das Bild "Märchenerzählerin" Ihr Eigentum geworden und danke Ihnen herzlich für das durch diese neue Erwerbung bewiesene Interesse an meiner Arbeit." 4) 4. September 26 (3 Seiten): "Auch ich halte Müller für den stärksten der jungen Schweizer, er ist auch menschlich der feinste und ein blonder Germane von hohen moralischen Qualitäten... Dass mit der neuen Sachlichkeit viel wird glaube ich nicht, dazu ist die Sache doch zu antiquiert und zu wenig neu... Dix ist wohl der einzige, der was taugt darunter, die anderen holen sich ihre Recepte einfach aus den Museen und malen "wie die alten Meister". Die Zeit wird halt auch da richten und trotz allem die Kunst bekommen, die zu ihr gehört."
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Sachgebiete: Autographen, Expressionismus, Kunstgeschichte, Moderne Kunst, Widmungsexemplare
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