Locher, Jakob. Libri philomusi. Panegyrici ad Rege[m]. Tragedia[m] de Thurcis et Suldano. Dyalog[us] de heresiarchis. Mit 20 (davon 2 ganzseitigen) Original-Holzschnitten (teils in Wiederholung). Strassburg, Johann (Reinhard) Grüninger, (nach dem 15. Mai) 1497. 20 x 14,5 cm. [62] Bll. (A1-L4). Blindgeprägter Halbleinwand-Einband um 1900 mit Rückentitel und Jahreszahl. - Hain-C. 10153 - GW 18631 - Goff L-264 - Proctor 483 - BMC I, 112 - Polain 2505 - Fairfax Murray (German) 242 - Stillwell L 234 - Schreiber 4513 - Schramm XX, 23 - Slg. Schäfer 212 - Goedeke I, 427, 9 - Schmidt, Grüninger, 32. - Einzige Ausgabe. - Früher „Türkendruck“, in dem sich der vielseitige Humanist Jakob Locher (1471–1528), auch genannt Philomusus - der Hofdichter von Kaiser Maximilian I. - mit der ständigen Bedrohung Westeuropas durch das Osmanische Reich auseinandersetzt. - Enthalten sind Lobgedichte an den Kaiser, den Hofstaat und den Klerus, eine Ermahnung zum Kampf gegen die Türken, ein "Dyalogus" gegen alle Formen der Häresie etc. - Insgesamt 13 der kunstvollen Holzschnitte stammen aus Strassburger Editionen von Terenz sowie Sebastian Brandts „Narrenschiff“. Sechs weitere Motive wurden eigens für dieses Werk neu angefertigt; sie orientieren sich zwar am Stil des Terenz-Meisters, weisen jedoch eine noch feinere, metallschnittartige Linienführung auf. Der einleitende Holzschnitt zeigt den Autor selbst, der im Erscheinungsjahr des Buches zum „poeta laureatus“ gekrönt wurde (vgl. von Arnim). - Ein frühes Monument der frühen humanistischen Literatur in Deutschland und eines der schönsten Beispiele für Buchillustration der Renaissance. - Vorliegende Druckvariante: der Wappenholzschnitt auf Bl. B6r eingedruckt, Schlusszeile von I3r mit in Stempeldruck eingesetztem griechischen "tekos" (richtig "telos"), L2v mit Druckfehler "Jacboi" im Kolumnentitel, L3r in der letzten Zeile "Daum" statt "Datum", im Kolophon richtig "christo". Einer der 3 bei Murray beschriebenen Leerräume für griechische Wörter mit Holzschnittstempel ausgefüllt (K6v; L2v nur teilw. und L1r ganz ausgelassen), zusätzlich auch der auf H2v, Zeile 7 (im "Decretum bellicum" Papst Alexanders VI. und Kaiser Maximilians gegen die Türken). - Rücken etwas gebräunt, leicht berieben und beschabt, Ecken teils schwach bestossen; leicht gebräunt und angestaubt (Titel stärker), stellenweise schwach finger-, tinten- und minimal feuchtfleckig, am oberen Rand teils etwas knapp beschnitten, im Bug gelocht (wohl von alter Bindung), letztes Blatt alt aufgezogen. Insgesamt sauber und in guter Erhaltung. - Provenienz: Auf Fol. L1r wohl alter handschriftlicher Besitzvermerk "Johannes" - Wappen-Exlibris Liechtensteinhaus - International Antiquariaat (Menno Hertzberger; Titelaufnahme mit Firmenlogo lose beiliegend), Amsterdam, dort in den 1950er Jahren erworben, seither Schweizer Privatsammlung.
KB-03038
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