Demnach der Herr [...] Johann Traugott Seuler von Seulen Eques Transylvanus beliebung zu Metall- und Mineralischen Probier Kunst träget, und solche von mir Endesgesezten der Zeit königl. und Churfürstl. bestallen Guardein allhier zu Freyberg zu erlernen verlanget : So ist folgender maasten von beyden Theilen contrahirt worden, daß nehmlich wohlgedachten Herrn von Seulen ich nicht allhier das Probieren; sondern auch 1. Was probieren sey? [...]. Deutsche Handschrift in schwarz-brauner Tinte auf Papier. Freiberg in Sachsen (?), 1720. Ca. 33 x 20 cm. 8 S. (als 2 Faltblätter). Mit kalligraphsichen, goldgehöhten Schnörkelportrait u. -ornamenten auf der ersten Seite. Randläsuren, etwas angegilbt, mit mittiger Faltspur.
Siebenbürgische Zeitung, 29.3.2011 (Seuler von Seulen); NDB II, 411 (Böttger) - Hochinteressanter Vertrag zum chemisch-metallurgischen Unterricht, ausgestellt vermutlich durch den Freiberger Münzwardein Gottfried Pabst von Ohain (1656-1729). Der Vertrag wurde zwischen Johann Traugott Seuler von Suelen (1697-1757), Sohn des Kronstädter Apothekers und Stadtarztes Lucas Seuler von Seulen, und vermutlich dem nur in seiner Fuktion als Münzwardein von Freiberg (Sachsen) genannten Gottfried Pabst von Ohain aufgesetzt. Darin halten beide Genannten fest, dass Seuler von Seulen von Pabst von Ohain Details zur "Metall- und Mineralischen Probier Kunst", als Münz- und Erzkunde, erlernen möchte, die genauen Inhalte werden auf den folgenden Seiten mit 97 Punkten spezifiziert. Zahlreiche der gelisteten metallurgischen Experimente bzw. Vorgänge, weisen im Text alchemistischen Symbolen als Abkürzungen für einzelne Erze und Metalle auf. Was in den ersten 20 Lektionen zunächst noch allgemein beginnt mit „Die Erkenntnis der Erze“ oder „Wie ein Probieren, damit derselbe bey Berg- und […] und auch Münzwesen bestehen kann, sich qualificiren muß“, „Die Abtheilung des Probier Ofens“, wird schnell spezifischer mit „Eisenstein zu solvieren, und wieder nieder zu schlagen, dass man einen Kalik bekomme“, „Schwarz Kupffer auf [Silber, Mondsymbol] und Gaar [Kupfer, Kupfersymbol] zu probiren“, „Gold Erz, Kieß und Schlick auf [Silber, Mondsymbol…], [Gold, Goldsymbol] und Kupfer [Kupfersymbol] zu probiren“, , „Ein Aqua Regis zu machen“, „Göldische Silber auf Gold zu probieren“, „Das Gold in AR[Aqua Regis-Symbol] niederzuschglagen“ oder „Vitrolische Kieße auf [Kupfer, Kupfersymbol] und [Eisen, Eisensymbol] zu probieren“. Das Dokument schließt mit einer Vereinbarung: „Und also alles mit besondern Fleiß und so gut als ichs erlernen und exerciret habe […] und mit göttlicher Hülffe also unterweisen […] dass ermeldter Herr von Seulen in Examine nechst Gott bestehen soll.“Johann Traugott Seuler von Seulen übernahm neben der Kronberger Apotheke seines Vaters auch eine zugehörige Buchdruckerei. Gottfried Pabst von Ohain war nicht nur Münzwardein sondern auch Bergrat und wurde von August dem Starken mit der Beurteilung der missglückten alchemistischen Versuche zur Goldherstellung von Johann Friedrich Böttger betraut. Später arbeiteten beide an der Herstellung von Porzellan, sie gelten als Erfinder des Meißner Porzellans. - BEIGABE: Etwa 110 Briefe und Dokumente von Nachfahren der Familie Seuler von Seulen, 17.-19. Jahrhundert (wenige Beglaubigungen des 20. Jhdts.), diverse Formate. Hauptsächlich Briefe rund um dem Kreis von Louise von Harting/Hartting, geborene Seuler von Seulen, und ihren Söhnen Gustav und Franz (ca. 1798-1860), die beide eine militärische Laufbahn einschlugen. Daneben auch ein Kaufvertrag ausgestellt von Franz von Harting mit einer beiliegenden, älteren Skizzen einer Gartenalage, ein Stammbaum für Justinae Gottsmeister, die 1717 Lucas Seuler von Seulen d. J., Bruder von Johann Traugott, heiratete oder auch einen Tuschezeichnung, wohl aus dem 18. Jahhundert, 9,8 x 16,5 cm, die 2 musizierende Paare vor einer Baumlandschaft zeigt. WEITERE DETAILS AUF ANFRAGE.
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