Entdecktes Judenthum, oder Gründlicher und Wahrhaffter Bericht, welchergestalt Die verstockte Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit, ... erschrecklicher Weise lästern und verunehren ... 2 Teile in 2 Bänden. Königsberg (recte Berlin, Haude & Spener), 1711. Ca. 21,5 x 17,5 cm. 10 Blätter, 1016 (recte 998) Seiten; 2 Blätter, 1111 Seiten, 1 Seite (Errata). Pergamentbände der Zeit mit Rückentitel und Farbschnitt.
Fürst I, 226; ADB V, 772f.; NDB IV, 419. Zweiter Druck und erste öffentliche Ausgabe des berühmt-berüchtigten Antijudaicums, erschienen vor Ausgabe von 1700, die durch kaiserlichen Erlaß 40 Jahre unter Verschluß gehalten wurde. So war die vorliegende Ausgabe, für welche die Erben Eisenmengers eine Druckerlaubnis beim preußischen König Friedrich I. erlangt hatten, die erste im Handel zugängliche. Obwohl in Berlin gedruckt, wurde der Druckort fingiert, da Königsberg außerhalb des Reichsgebietes lag. Nachdem der Heidelberger Professor für orientalische Sprachen Eisenmenger (1654-1704) mehr als 19 Jahre lang Stoff für sein großes polemisches Werk gegen das Judentum gesammelt hatte, entschloß er sich zur Herausgabe des Buches. "Eisenmengers Übersetzungen hebräischer Texte sind oft fehlerhaft und dazu tendenziös entstellt, auch Verleumdungen wie Brunnenvergiftung und Ritualmord fehlen nicht, dennoch ist Eisenmenger mit diesem Werk, das ihm eine Professur für orientalische Sprachen an der Universität Heidelberg eintrug, der Begründer des neuzeitlichen wissenschaftlichen Antisemitismus geworden. Auf jüdischen Protest am Hof in Wien hin wurde aber die ganze Auflage von 2000 Exemplaren bis auf wenige Stücke mit Arrest belegt. Nach seinem Tode erwirkten die Erben die Erlaubnis einer Neuauflage bei Friedrich I. von Preußen, die 1711 in Berlin (Druckort Königsberg) erschien. 1740 wurde schließlich auch die 1. Auflage freigegeben. Eine Schadenersatzklage der Eisenmengerschen Erben gegen die Frankfurter Juden schleppte sich bis 1763 hin." (Hans-Joachim Schoeps in NDB). Seiten 961-968 und S. 985-994 in der Paginierung übersprungen. Beide Bände mit gestochenem Exlibris (Benjamin Wulff del. & fc.) von Benjamin Daniel Itzig (1756-1833), dessen Vater Daniel Itzig (1723-1799) königlich preußischer Hoffaktor und einer der bedeutendsten jüdischen Bankiers in Preußen war. Pergament der Einbände fleckig, oberes Kapital des 1. Bandes mit Fehlstelle, Vorsätze etwas stockfleckig, Papier teils gebräunt.
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