Relation des Cours de Prusse et de Hanovre, avec les Caractéres des principales personnes qui les composent: Envoïée à une personne de consideration en Hollande. Traduite de l'Anglois de J.T. A la Haye chez Thomas Johnson, 1706. 3 nicht nummerierte Blätter, 162 Seiten und 10 mehrfach ausfaltbare Kupfer, etwas späterer Lederband mit reicher Rückenvergoldung, das untere Feld des Rückens mit Wappen, dreiseitiger Rotschnitt und marmorierte Vorsätze (Kanten minimal berieben), 15 x 10 cm. Erste Ausgabe in französischer Sprache.
Der irische Freidenker John Toland (1670 - 1722) war im Alter von 16 Jahren zum Protestantismus übergetreten, studierte in Glasgow, Edinburgh und Leiden und veröffentlichte 1696 sein religionskritisches Hauptwerk 'Christianity not mysterious' in Oxford. "In England wegen dieses Buches heftig angegriffen, wandte er sich 1701 mit einem Empfehlungsschreiben des preußischen Gesandten in London, Ezechiel von Spanheim, nach Hannover und Berlin. In Lietzenburg diskutierte Toland unter Beteiligung Sophie Charlottes neben Leibniz … philosophische, theologische und politische Probleme. Nach seinem Besuch in Hannover und Berlin schrieb Toland seine 'Relation de Cours de Prusse et Hanovre'. (Katalog 'Sophie Charlotte und ihr Schloss', 2000, S. 258). "Vorbehalte gegen die Auffassungen des streitbaren Iren, der in seinem religionskritischen Werk von 1704 'Letters to Serena' (gemeint ist Sophie Charlotte) Aberglauben und Götzendienst aus der Verbindung von Priestern und Fürsten zu gegenseitigem Vorteil erklärte, scheint die Königin nicht gehabt zu haben. Vielmehr überwog die Neugier an seinen provozierenden Ideen und die Lust am Meinungsstreit, als sie Leibniz ermunterte, ein wenig mit Toland zu disputieren" (a.a.O., S. 93). An Sophie Charlottes Hof - so beschreibt es Toland - gab man sich vorzugsweise zwei Beschäftigungen hin: Studieren und Lustbarkeiten, "in vollkommener Einheit beisammen". Aber Toland schildert nicht nur die aufgeklärte Stimmung am preussischen Musenhof sondern auch die architektonische Entwicklung der Residenzstadt. Er beschrieb "als einer der ersten den für die Regentschaft Friedrichs III. / I. typischen Ausbau der Residenzlandschaft mit ihren zahlreichen neuen, erweiterten oder modernisierten Schlössern um Berlin und Potsdam. Er rühmte das Schloss in der Mitte als die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Seine Ausführungen sind besonders bemerkenswert, da sie sich an den vielgereisten Connaiseur richten und das Bauwerk in den europäischen Kontext stellen" (G. Hinterkeuser, in 'Preussen 1701. Eine europäische Geschichte, S. 267). Die vorliegende französische Ausgabe - nahezu zeitgleich erschien der Bericht auch in englischer und deutscher Sprache - wurde mit präzisen Kupfertafeln von Pieter Schenk illustriert: 1- große Gesamtansicht von Berlin um 1700, 2- 'Vue du grand Pont, du Palais des Ecuries & de la Cathedrale', 3- 'Jardin Royale à Berlin, en regardent vers l'Orangerie', 4- 'Orangebourg', 5- 'Potsdam, veu de l'autre coté de la riviere', 6- 'Potsdam, du cote de l'Entree', 7- 'Veue de Kapput' (Caputh), 8- 'Veue de Keppenich' (Köpenick), 9- 'Fredericsdaal' (Schloss Friedrichsthal); 10- 'Luzebburg, à present Charlottenbourg' (die einzig bekannte Darstellung von Nerings Entwurf der Gartenfassade). Das vorliegende Exemplar weist eine interessante Provenienz auf: auf dem marmorierten Vorsatz findet sich ein großes gestochenes ex libris von Henriette Louise Marie Charlotte Apollonie de La Rochelambert (1825 - 1904). "Sie wurde in Berlin geboren als Tochter von Henri Michel Scipion Vicomte de La Rochelambert … und Marie Charlotte Apollonie de Bruges. Die Exlibrisbesitzerin, Vorleserin der preußischen Königin, heiratete am 1846 Louis Alexis Léon Comte de Valon. … Nach 1848 verbrachte er sein Leben mit seiner Frau in seinem … Schloß Château de Rosay-sur-Lieure. Seine Frau machte das Schloß zu einem bekannten Literatursalon und empfing hier den Großteil der Schriftsteller ihrer Zeit, darunter Gustave Flaubert, Prosper Mérimée, Guy de Maupassant und Théophile Gautier." (Bernhard Peter, Welt der Wappen, Kapitel über franz. Exlibris). - Zustand: eine Tafel mit Randeinriss, sonst sehr schönes, nahezu fleckenfreies Exemplar mit sauber gefalteten Tafeln.
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