[Friedrich Schilling]: Ueber die Begräbniße. Wien, (ohne Drucker), 1781. 28 Seiten, 2 weiße Blätter. Broschur der Zeit mit hübschem zweifarbigem Kattunpapier. 10,5 x 17 cm.
VD18 1528459X. Nicht in GV. – Eine von mindestens drei Druckvarianten im Jahr der Erstausgabe, alle erschienen ohne Verlagsangabe, mit Ortsangabe „Wien” und Jahresangabe „1781”, aber mit unterschiedlichen Vignetten und leicht voneinander abweichenden Titeln: Ueber die Begräbniße in Wien (28 Seiten), bzw. Ueber die Begräbnisse in Wien (29 Seiten). Über KVK / OCLC von der vorliegenden Druckvariante lediglich zwei Exemplare weltweit nach-weisbar (beide BSB München); kein Exemplar andernorts nachweisbar. Von den (in der bisherigen Forschung ausschließlich erwähnten) Varianten mit dem Zusatz „in Wien” im Titel sind mehrere Exemplare im deutschsprachigen Raum und drei in den USA nachweisbar (Harvard, Connecticut, Stanford). Der Beginn des Textes (erste Textseite) ist in allen drei Varianten identisch, mit lediglich einer kleinen Abweichung: Bei uns „Gabe Gottes, Rede genannt“ wird in allen anderen bekannten Varianten (wohl fälschlich bzw. versehentlich, da so keinen Sinn ergebend) zu „Gabe Gottes=Rede genannt“; ob es weiterhin Ab-weichungen gibt bleibt zu überprüfen. – „Die Broschürenflut, die nach der Erweiterung der Pressefreiheit in Wien einsetzte, wurde durch eine kleine Schrift des Regierungssekretärs Friedrich Schilling eröffnet, die 1781 anonym erschien. Sie hieß »Über die Begräbnisse in Wien« und löste allein 21 [nach Geißau eigentlich 22] Broschüren zur gleichen Thematik aus, die gegen Schillings Aufsatz polemisierten. In dieser Schrift werden die hohen Kosten der Begräbnisse und die Habsucht des Klerus scharf angegriffen“ (Literatur der Aufklärung, S. 324). (Anmerkung: Eine dieser 21 bzw. 22 Broschüren als Reaktion auf Schillings Schrift bieten wir unter der nächsten Katalog-Nummer an, siehe dort.) „Dieser mehrmals verlegte Text (…) erscheint literar-historischen Betrachtungen nicht nur als beredtes Zeugnis der Dominanz des Todes-Themas in der österreichischen Kultur, sondern zeigt auch, dass sich diese neuartig intensive Öffentlichkeit sofort der Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche annahm, die sich ja im josephinischen „Kirchenkampf” gegen die erweiterte Pressefreiheit stellte” (Zeyringer / Gollner, S. 84). – Broschürenflut ist ein „abwertender Begriff für die große Menge an Druckschriften geringen Umfangs (nach Norbert Bachleitner 2000 bis 3000 Titel), die in Wien im Zuge der 1781 erfolgten Lockerung der Zensur unter Joseph II. („erweiterte Preßfreiheit“ auf Grundlage der „Grund-Regeln zur Bestimmung einer ordentlichen künftigen Bücher Censur“ vom Februar 1781 und der Zensurverordnung vom 11. Juni 1781) bis zu ihrer Verschärfung in den Jahren 1792-1795 erschienen. Schon zeitgenössisch wurden die „Überschwemmung von Broschüren“ (Alois Blumauer), das „aus den öden Köpfen selbstgefälliger Müßiggänger [emporgehobene] (…) Broschürenheer“ (Johann Pezzl) kritisch gesehen, zugleich aber die positiven Auswirkungen auf das Leseverhalten hervorgehoben. (…) Nachdem bereits anlässlich des Tods von Maria Theresia etliche Schriften erschienen waren, gilt als Auftakt der „Broschürenflut“ Friedrich Schillings Über die Begräbnisse in Wien (1781), (...) eine kirchenkritische Schrift“ (Website: Wien Geschichte Wiki, Artikel Bro-schürenflut). Laut Zeyringer / Gollner war die Broschürenflut „von einer immensen Schreib- und Leselust sowie einer Freude an der Polemik getragen” (ebd., S. 84). – Johann Christian(us) Friedrich Schilling wurde „1753 in Erfurt geboren und starb (…) 1803 in Wien. Er trat im Jahre 1782 als Regierungssekretär in österreichische Dienste, wurde 1789 Hofsekretär, 1791 Regierungsrat und 1794 Hofrat. Im Jahre 1795 wurde er mit Beibehaltung seines Amtes bei der Polizeihofstelle als Beisitzer in die Hofkommission berufen, die sich mit der Prüfung des öffentlichen Unterrichts beschäftigte. Er veröffentlichte auch eine Reihe anderer Druckschriften, die jedoch keinerlei Bedeutung erlangten” (Literatur der Aufklärung, S. 324). – Provenienz: Privatsammlung München. – Umschlag mit kleineren Läsuren im Bereich des Rückens. Innen etwas fleckig. Sonst tadellos. – Edith Rosenstrauch-Königsberg (Hrsg.), Literatur der Aufklärung 1765-1800, SS. 324 und 98-107 (mit Wieder-abdruck des gesamten Textes). Klaus Zeyringer / Helmut Gollner, Eine Literaturgeschichte: Österreich seit 1650, SS. 83-84. Michael Holzmann / Hans Bohatta, Deutsches Anonymen-Lexikon (1501–1926), Bd. VI, Nr. 7850. Anton Ferdinand von Geißau, Alphabetisches Verzeichniß derjenigen Brochüren und Schriften, welche seit der erhaltenen Pressfreyheit herausgekommen sind. 1tes Alphabet bis Ende Augusts 1782, S. 10-11 (gibt als Verleger / Drucker für eine der anderen beiden Druckvarianten „Kurzbeck“ an). – The initial publication triggering the so-called pamphlet flood in Vienna, in period block-printed wrappers (this print variant unrecorded outside of Germany).
850,- EUR
inkl. 7% USt./incl. 7% VAT
Sachgebiete: Aufklärung, Buchwesen, Flugschriften, Österreich, Papier/Buntpapier
Kontakt zum
Schlossbezirk, Forsthaus 2/1 • 88682 Salem
Telefon 0049 / (0)15734399787
Mail: daniela.kromp@gmx.de • Web: https://ilab.org/page/catalogue-search-results?owner=antiquariat-daniela-kromp