Wilhelm Hauff: Die Geschichte von dem kleinen Muck. Gezeichnet und geschrieben von Fritz Fischer. Deutsche Handschrift auf schwerem Büttenpapier. Weidach über Blaubeuren, 1957. 39 Seiten mit 28 Tuschezeichnungen (davon 3 doppelblattgroß und 2 blattgroß). Sehr eleganter zeitgenössischer Halblederband mit einer Tuschfederzeichnung Fischers als Vorderdeckelillustration; die beiden Vorsätze ebenfalls vom Künstler mit Zeichnungen versehen (zusammen 30 Varianten des kleinen Muck mit Wunderpantoffeln und Zauberstöcklein); in einfachem Schutzumschlag und Schuber der Zeit. 27,5 x 38,5 cm.
Laut eigenen Angaben des Künstlers (hier auf dem Vortitel verso) zweite Fassung in Folio eines zuerst im August 1955 von Fischer geschaffenen Künstlerbuches zum Kleinen Muck. – Fritz Fischer (1911-1968) war ein fruchtbarer deutscher Buchillustrator und Zeichner. Während er an Illustrationen für Bücher arbeitete, schrieb er oft den gesamten Text ab, um sich so dem literarischen Kunstwerk zu nähern: „Auf den ersten Blick mag das in unserer eiligen Zeit unsinnig und unrationell erscheinen. Für mich ist es aber der kürzeste Weg, um zu einem Ergebnis zu gelangen, denn während des Abschreibens dringe ich sehr viel tiefer (...) ein, als es beim bloßen Lesen möglich ist. Das Entscheidende ist aber, dass bei einer solchen Arbeitsweise das Bild organisch aus der Schrift erwächst“ (Weltstimme, Jahrgang 27 (1958), zitiert nach Manfred Badorrek, Fritz Fischer. Werkkatalog der illustrierten Bücher 1935-1984, S. [6]). So bilden bei Fischer Text und Zeichnung oft gleichsam eine Einheit und finden daher nur schwer typographische Entsprechung in den gedruckten Büchern. Bereits im Mai 1955 hatte Fischer ein erstes zusammenhängendes Manuskript mit Textauszügen und Zeichnungen zum Kleinen Muck auf 37 Seiten angefertigt. Die durchweg kleinformatigen Illustrationen liegen dort oft in zwei oder mehreren Varianten vor; Text und Bilder wurden nicht (wie bei unserem Exemplar) in harmonischem Verhältnis zueinander und der Text nicht in einem gleichbleibenden Satzspiegel angeordnet. Dieser eher skizzenhafte Charakter des ersten Manuskripts rührt daher, dass Fritz Fischer es nicht als Künstlerbuch konzipiert hatte; vielmehr handelt es sich um eine lockere Folge von Illustrations-Vorlagen, die er in der Insel-Bücherei zu publizieren hoffte: Fischer hatte „das Konvolut 1955 an Friedrich Michael vom Insel-Verlag geschickt, in der vergeblichen Hoffnung, es werde ein Insel-Bändchen daraus, wie es schon eines von ihm gab, das Kalte Herz [Anm.: ebenfalls ein Hauff-Märchen, zuerst erschienen 1935 als IB 479]. Im Begleitbrief an Michael schrieb er: „(…) Ich kenne das Märchen aus dem ff, liebe es seit Jahren wegen seiner Anspruchslosigkeit und als Zeichner hat es mich immer wegen der vielen Bewegungsmotive gereizt. Ich habe es in den letzten Jahren immer wieder (...) in Angriff genommen. Die Quintessenz dieser langen Auseinandersetzung ist nunmehr auf den anliegenden Blättern enthalten“.“ (Ulrich Ott, Dank, in: Meyer, Geschichte von dem kleinen Muck, S. 5). – Im Auktionshandel sind zwischen 2011 und 2025 folgende weitere Unikate Fischers mit Illustrationen zum Kleinen Muck nachweisbar: 1.) Die Geschichte von dem kleinen Muck, Band I, 1955, 31 S., Halbmaroquinband, 27,3 x 38,5 cm (möglicherweise die erste Fassung zu unserem Band); 2.) Die Geschichte von dem kleinen Muck,(ohne Datum), 27 Bl., Halblederband, 4°; 3.) Der kleine Muck / Kalif Storch / Das kalte Herz / Der Zwerg Nase. 3 Skizzenblöcke, zus. 200 Bl., 1966, 15 x 21,5 cm; 4.) Die Geschichte von dem kleinen Muck. Die Geschichte von Kalif Storch, 1958, 41 Bl., Halbmaroquinband, 25 x 17 cm; 5.) Die Geschichte von dem kleinen Muck. 6 Hefte, 1959-61, ca. 126 S., Original-Broschuren, 17 x 12,5 cm. – Provenienz: Handel, Deutschland. – Leder an den Kapitalen und Kanten minimal berieben. Schutzumschlag leicht fleckig und lichtrandig, der Schuber leicht gebräunt. Sonst ganz tadellos. Papier unbeschnitten. – Beiliegt der Faksimile-Druck des frühesten Manuskripts: Jochen Meyer (u.a.) (Hrsg.), Die Geschichte von dem kleinen Muck. Ein Märchen von Wilhelm Hauff. Gezeichnet und geschrieben von Fritz Fischer. Mit einem Nachwort von Ludwig Harig. Marbach, Deutsche Schiller-Gesellschaft, 2000. [78] Seiten. Original-Pappband mit Schutzumschlag. –
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Sachgebiete: Handzeichnungen, Illustrierte Bücher, Literatur bis ca. 1900, Märchen/Sagen, Zeichnungen
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