Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Erster-vierter Versuch. 4 Bände. 10 Bl., 272 S., 4 Bl.; 5 Bl., 391 S., 4 Bl.; 6 Bl., 355 S., 4 Bl.; XII, 489 S., 5 Bl. Mit 4 gestoch. Titelvignetten, 489 Textkupfern und 343 Kupfertafeln (2 in Schabkunst, 1 in Rötel), gestochen von D. Chodowiecki, J. H. Lips, J. R. Schellenberg, Crusius, J. C. Fueßli, J. Hegi, Heß u. a. Gr.-4°. Kalblederbde d. Z. (berieben, Kanten teils beschabt, oberes Kapital von Band 4 defekt) mit 2 farb. Rückenschildern und Rückenvergoldung. Marmorpapier-Vorsätze. Leipzig und Winterthur, Weidmanns Erben und Reich sowie H. Steiner und Comp., 1775-1778.
Erste Ausgabe von Lavaters epochemachendem anthropologischem Hauptwerk, in dem er seine physiognomischen Ideen verdeutlicht und zu belegen versucht. Das Werk wurde in nur 750 Exemplaren gedruckt und durch vorzügliche Stecher und Radierer mit Porträts, anatomischen Details und medizinischen Besonderheiten reich illustriert. Goethe hatte den Druck von Januar 1775 bis März 1778 redaktionell betreut, Bildvorlagen beigesteuert und das Monumentalwerk seines Freundes gegen Kritiker verteidigt. Beim Erscheinen entzündete sich eine heftige Diskussion um Lavaters Maximen, auf die der Verfasser bereits im 4. Band einging. Mit den vielen Porträtstudien „gewinnt das Werk den Charakter einer Ikonographie bedeutender Menschen des 18. Jahrhunderts“ (Neufforge), darunter Goethe (6), J. M. R. Lenz (von dem auch die „Vermischten Betrachtungen eines bekannten Dichters“ aufgenommen wurden), Herder, Gessner, Kleist, Mendelssohn, Frau v. Stein, die Karschin, Beaumarchais, B. West, Ph. E. Bach, Stolberg, Haller, Hamann, Klopstock, Jacobi, Lavater u. v. a. Das Werk „gehört in seiner künstlerisch kostbaren und reichen Ausstattung und dem vorbildlichen Typensatz nicht nur zu den originellsten, sondern auch schönsten illustrierten Büchern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (Lanck./Oehler II 222). Das Werk wurde in 750 Exemplaren auf kräftigem, klanghartem Bütten gedruckt. Die kostbare Aufmachung hatte ihren Preis: „Nur die zahlungskräftigsten Käufer ... können die 90 Reichsthaler und 16 Groschen aufbringen. Diese Summe entspricht fast der Hälfte des Jahresetats etwa der weithin berühmten Herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel“ (A. Ohage in: „Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik“). Heinsius notiert sogar einen Preis von 100 Reichstalern; Wieland hatte zur gleichen Zeit als Prinzenerzieher ein Jahresgehalt als von 1000 Reichstalern. Und dann kommen noch die Bindekosten hinzu. – Jeder Band mit einem Register und einem fortgeführten Pränumeranten-Verzeichnis. Breitrandiges Exemplar auf großem Papier (30 x 25,5 cm). Weitgehend sauber und fleckenfrei; die Tafeln abnehmend etwas stärker betroffen, da diese auf anderem Papier (Kupferdruckpapier) gedruckt wurden, das eher feuchtigskeitsempfindlich ist. Auf den letzten Seiten von Band 2 ein kleiner Tintenfleck auf dem Schnitt, der sich teils gering in den Ppierrand einzieht. – VD18 11072229; Goed. VI 1, 262, 31 und IV 3, 139, 131; Schulte-Str. 77a.; Hagen 540 (11 Beiträge Goethes) und 550 (14 Beiträge Goethes); Engelmann, Chodowiecki, 107, 112-116, 123, 124, 126, 127, 143, 144, 146; Borst 313; Sammlung Kippenberg I, 578; Kippenberg, Technik der Silhouette II., 3.
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