Die Geschichte und Briefe des Abelards und der Eloise, in welchen ihr Unglück und die verdrießlichen Folgen ihrer Liebe beschrieben sind. Nebst einem Gedichte Eloise an Abelard von Alexander Pope. Aus dem Englischen übersetzt (von Johann Georg Müchler). 6 Bl., 244 S. Marmor. Lederbd d. Z. (etwas fleckig) auf 5 Bünden mit vergold. Rückenschild. Berlin und Potsdam, Christian Friedrich Voß, 1755.
Erste Ausgabe dieser Übersetzung. Pope schildert das Leben beider Protagonisten und deren Liebes-verhältnis, das in einer Zeit, in der affektive Liebe oft als Wahn, ja als Krankheit angesehen wurde, ohne Beispiel war. Abaelard war zu Lebzeiten weithin ebenso berühmt wie berüchtigt. Er vertrat viele Jahrhunderte vor der Aufklärung den Vorrang der Vernunft nicht nur in der Philosophie, sondern auch in Glaubensfragen. Durch diese und andere kontroverse Lehren, aber auch wegen der heftigen Liebes-affäre mit seiner über 20 Jahre jüngeren Schülerin Heloise geriet er in zahlreiche Konflikte. Petrus Abaelard (1079-1142), als Sohn eines Ritters in der Bretagne geboren, wurde einer der bedeutendsten Theologen seiner Zeit. Er lebte und lehrte in Paris und vielen anderen Orten. Seine Schüler verehrten ihn. Von vielen Berufskollegen wurde er bekämpft und beneidet. Er sah gut aus, galt als geistig bril-lant aber auch als arrogant. 1117 berief ihn der Pariser Domherr Fulbert zum Lehrer seiner damals 16-jährigen, an allen geistigen Dingen interessierten Nichte Heloise. Bald schon verliebten sich das Mäd-chen und ihr 22 Jahre älterer Mentor ineinander. Eine leidenschaftliche Beziehung ließ sie über fast alles hinwegsehen, was sich um sie herum ereignete. Er verfasste für sie Liebeslieder und -gedichte, sie schrieb ihm Briefe, die tiefe Vertrautheit und Hingabe ausdrückten. Offen zeigten sie ihre gegen-seitige Zuneigung. Die Studenten sangen seine Lieder und spotteten gleichzeitig über ihren verliebten Professor. Seine Rivalen geiferten. Auch der Briefwechsel des Paares machte es berühmt. Heloise (1100-1164) erwies sich in ihren Briefen nicht nur als Frau von außerordentlicher Geistes- und Her-zensbildung, sondern in der Feinsinnigkeit und Eleganz ihrer Formulierungen auch als eine begabte Schriftstellerin, so wie es später von einem Zeitgenossen (Hugo Metellus aus Toul) bestätigt wurde. „Die ursprünglich lat. verfassten Briefe erschienen zuerst 1616 in Paris. Die daraus übersetzte franz. Ausg. wurde hrsg. von Nicolas Rémond DesCours, gedruckt 1693 in Den Haag (La Haye). Auf dieser basierte die engl. Übers. von John Hughes, zuerst erschienen in London 1713, die wiederum als Grundlage für die dt. Übers. diente“ (VD18). – Leicht gebräunt, wenig fleckig. Titel im Falz angeris-sen, oben ist ein Randabriss hinterlegt, Die Bundansätze des Einbandes vorne teils beschabt. Nur in wenigen Bibliotheken nachweisbar und nicht im deutschsprachigen Auktionshandel seit 1950. – VD18 11714352; Price/Price, Literature, 787; Meusel, Das gelehrte Deutschland, V 303.
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