'Abbildung des ausserordtentlichen dicken Dunstes oder sogenannten herrauchs, welcher die obere Luft und den Himmel so deckte, das die schweresten Wetter Wolcken vor solchen nicht zusehen waren ...'. Sehr feine, farbige Zeichnung in Deckfarben auf Pergament, mit Goldlinie umrandet, signiert M. Brasch mit Ortsangabe Nürnberg, um 1783. Beiliegend eigenhändige sechszeilige Beschreibung des dargestellten Wetterphänomens in Zierschrift, Tusche auf Pergament. 13 x 22,5 cm (Bild) und 4,6 x 21,5 cm (Schrift).
Außergewöhnliches Dokument der Klimageschichte. Die stimmungsvolle Darstellung mit Vater und Sohn in idyllischer Landschaft und blutroter Sonne am verhangenen Himmel zeigt, wie nah erhabenes Naturschauspiel und verheerende Naturkatastrophe beieinander liegen können. Höhenrauch (auch Heerrauch, Herrauch, Moorrauch etc. genannt) bezeichnet eine Trübung der Atmosphäre, die durch vorwiegend aus festen Partikeln bestehende Aerosole in relativ großer Höhe verursacht wird. Dies geschah in verhängnisvollem Ausmaß beim Ausbruch der Laki-Krater auf Island am 8. Juni 1783, der etwa 8 Monate dauerte und neben großen Mengen Lava dichte Gas- und Aschewolken produzierte. Darüberhinaus reagierten die umfangreichen Mengen ausgestoßenen Schwefeldioxids mit den Wassertröpfchen der Wolken zu schwefliger Säure und Schwefelsäure. Das hatte verheerende Folgen für Island: das Vieh litt an Vergiftungen und die ausgelöste Hungersnot bewirkte, dass mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Islands starb. In Westeuropa legte sich eine giftige Aerosolwolke über den gesamten Kontinent und wurde als Höhenrauch oder auch "trockener Nebel" wahrgenommen, der wochenlang am Himmel hing, so dass Bauern kaum noch ihrer Feldarbeit nachgehen konnten. In der Folge entwickelte sich von 1783 bis1784 ein außergewöhnlich kalter Winter, dem in Mitteleuropa extreme Überschwemmungen im Februar und März 1784 folgten, die als eine der größten Naturkatastrophen der Neuzeit in dieser Region angesehen werden - bis zum Ausbruch des Tambora 1815. Der Augenzeuge, der im vorliegenden Bild so stimmungsvoll wie präzise festhielt, wie sich diese Katastrophe 8 Tage nach dem Ausbruch des Vulkans in seiner Heimat ankündigt, ist der 1731 in Nürnberg geborene Maler Magnus Brasch (auch: Prasch), der insbesondere für seine Darstellungen von Tieren und Jagdszenen bekannt ist. In München war er Schüler des aus Antwerpen stammenden Peter J. Horemans, einem Hofmaler Kaiser Karls VII. Danach lebte er bis zu seinem Tod 1787 in Nürnberg als freischaffender Maler. Der Text unter dem Bild lautet: "Abbildung des ausserordtentlichen dicken Dunstes oder sogenannten herrauchs, welcher die obere Luft und den Himmel so deckte, das die schweresten Wetter Wolcken vor solchen nicht zusehen waren; die Sonne aber stunde 2 Stund vor Ihren Untergang Blutroth am Firmament so, das man mit dem bloßen Auge ohne es zuverlezen in selbige sehen kunte. Der Anfang davon war den 16 Iunius und dauerte bis den 21 Iulii 1783." Zustand: kleine Farbabplatzung am oberen linken Rand, sonst sehr wohlerhalten.
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