Handschriftliche Kopie der nahezu unauffindbaren Erstausgabe der Autobiographie des „Jahrhundert-Genies“ Ottmar Mergenthaler. Mit einer handschriftlichen Widmung von Wilbur Stephen Scudder, Erfinder der Monoline und Intertype. Titel: Biography of Ottmar Mergenthaler and History of the Linotype, its Invention and Development. Baltimore 1898. 202 Seiten, geschrieben in blauer Tinte in ein einfaches Kopier-Heft in das abwechselnd normale und Dünndruckseiten gebunden wurden, Blattgröße 22 x 13 cm.
Wohl in den 1920er Jahren in Berlin angefertigte Abschrift (das Schreibheft mit dem Etikett einer Berliner Papierhandlung). Die handschriftliche Widmung von Wilbur Scudder auf der vorletzten Seite der Abschrift wurde ebenfalls in Berlin eingetragen: „To Mr. And Mrs. Rudolph Bär. My best wishes are always for those I know to be true! … W. S. Scudder Berlin Dec. 3. 1924.“ Die letzte Seite mit handschriftlichen Hinweisen Scudders zur Biographie Mergenthalers. Die Erfindung: Mit der von Mergenthaler entwickelten Linotype-Setzmaschine begann 1884 ein neues Zeitalter in der Drucktechnik. Seine Erfindung wird als „die bedeutendste satztechnische Innovation seit Gutenberg“ angesehen (Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt, 2013, S. 71.) Seit Mergenthaler 1894 eine Matrizenstabsetzmaschine entwickelt hatte arbeitete er mit großem Einsatz und verschiedenen Geldgebern an einer funktionierenden Ablösung des zeitintensiven Handsatzes. Das Interesse, insbesondere der Zeitungsverlage, war so groß, dass ein Syndikat 1895 die höchste Summe aufbrachte, die in eine amerikanische Erfindung, die bislang noch keinen Profit erbracht hatte, investiert wurde. 1886 stellte Mergenthaler seine Linotype vor. Die Setzmaschine zeigte im Dauerbetrieb noch einige Mängel, Mergenthaler musste sowohl Qualitätsmängel bei den Werkzeugen und Maschinenteilen als auch bei der Arbeit an den Setzmaschinen beheben – alles unter dem Druck der Investoren, die Dividenden sehen wollten. Seine Erfindung und die Zerwürfnisse mit Investoren beschrieb Mergenthaler in den Monaten des Jahres 1896 in einer umfangreichen Biographie, deren Manuskript allerdings bei einem Brand seines Hauses zerstört wurde. Im April 1898 kehrte er nach Baltimore zurück, wo er eine viel kürzere Autobiografie schrieb als der Band, der in New Mexico verbrannt war. Am 28. Oktober 1899 starb Ottmar Mergenthaler erst 45-jährig aufgrund seiner Tuberkuloseerkrankung. Die Autobiographie: Die 1889 gedruckte Ausgabe der Autobiographie ist heute nahezu unauffindbar: The Baltimore Museum of Industry „archives holds one of the few surviving copies of Mergenthaler’s long-lost autobiography—Biography of Ottmar Mergenthaler and History of the Linotype, Its Invention and Development (Baltimore, 1898) - thanks to a generous donation by Frank Romano“. „In fact, the very existence of an autobiography busts another long-held Mergenthaler myth: that his memoir was lost in a fire. According to Romano, Mergenthaler’s version of the Linotype’s early history published in 1898 was suppressed by one of his financial backers—New York Herald publisher Whitelaw Reid—who succeeded in buying up most of the copies after Mergenthaler’s death in 1899.“ (Steve Cole, Linotype Invented and Built in Baltimore, American Printing History Association, 20. July 2015) So erklärt sich, dass ein früherer leitender Mitarbeiter Mergenthalers, W. S. Scudder, der offensichtlich ein Exemplar besaß, dieses kopieren lassen musste, um es Mr. und Mrs. Bär als Geschenk zu überreichen. Die Widmung: Wilbur S. Scudder, zeitweise technischer Leiter bei der Mergenthaler Linotype Co. in Brooklyn, war zusammen mit Herman Ridder von Associated Press der Erfinder der Monoline Setzmaschine und hatte zusammen mit T. S. Romans, B. F. Soper, W. E. Bertram und anderen die Intertype-Setzmaschine entwickelt. Die Geburtsstunde für die Entwicklung war das Jahr 1912, nachdem die Patente der Linotype-Setzmaschine abgelaufen waren. Auf den Markt kam die Intertype-Maschine 1913. Ob Scudder im Zusammenhang mit Lizenzen, die Georg W. Büxenstein für seine Berliner Druckerei erworben hatte in Berlin war und ob der Widmungsempfänger Bär, für den die Abschrift offensichtlich angefertigt worden war für diese Druckerei oder auch als Biograph Mergenthalers tätig war, müssen weitere Forschungen klären. Zustand: Umschlag mit Gebrauchsspuren, Rückenbezug mit Einrissen, das erste Blatt lose, Blätter etwas gebräunt und stellenweise mit kleinen Randläsuren, stellenweise Unterstreichungen in blassem Farbstift. Beigegeben: The Biography of Ottmar Mergenthaler, Inventor of the Linotype. Reprint von 1998.
2500,- EUR
inkl. 19% USt./incl. 19% VAT
Sachgebiete: Amerika, Biographien/Autobiographien , Handschriften, Maschinenbau, Technikgeschichte
Kontakt zum
Kronberger Straße 20 • 14193 Berlin
Telefon: +49 30 824 22 89
Mail: Antiquariat-Tasbach@t-online.de • Web: https://www.tasbach-rare-books.de
Mobil: +49 172 313 20 88