Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Berlin 15.IX.1921. 2 Seiten 4°. An (den Heidelberger Verleger Richard) Weißbach, mit dem er eine Zeitschrift mit dem Titel "Angelus Novus" herausgeben wollte. Er hoffe, Weißbach im Winter in Berlin "für unsere Besprechung" treffen zu können. "... Ich bin mit einer ganzen Anzahl Manuscripte hier angekommen, die ich neu zunächst sichten werde. Erfreulicherweise sind Sachen von [Samuel] Agnon darunter, der seine Mitarbeit zugesagt hat. Sie erinnern sich vielleicht, daß ich in Heidelberg die Hoffnung aussprach ihn gewinnen zu können. Das erste Heft wird eine Erzählung 'Die neue Synagoge' von ihm enthalten. Weiter hoffe ich Beiträge eines holländischen Bekannten Henri Borel" (niederländischer Publizist und Schriftsteller), "eines der größten Kenner Chinas, früher holländischer Konsul dort, bringen zu können. Es trifft sich sehr glücklich, daß dieser in nächster Zeit nach Berlin kommt. Vielleicht kann ich ihn zu einer Niederschrift über den Geist der chinesischen Sprache veranlassen. Ich selbst habe mich ... mit einer Kritik der Goetheschen Wahlverwandtschaften beschäftigt, die ich für den Angelus vorbereite ..." - Die Abhandlung sollte später in zwei Teilen in den "Neuen Deutschen Beiträgen" erscheinen (April 1924 und Januar 1925). "... Beiliegend überreiche ich Ihnen meine Arbeit über Gewalt, die in diesen Tagen erschienen ist. Sie ist - wie ich wohl gelegentlich erwähnte, der zweite von drei politischen Aufsätzen, von denen der erste ebenfalls fertig ist (ich möchte ihn im Angelus bringen), der letzte sich noch im Werden befindet. Bevor ich Ihnen nun in einiger Zeit den Entwurf meines Prospektes übersende, hoffe ich wegen der Satzproben des Baudelaire noch Nachricht von Ihnen zu erhalten. Sie müssen ja wohl jeden Tag eintreffen ..." - Sein bedeutender Aufsatz "Zur Kritik der Gewalt" war im "Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" erschienen. Seine Übersetzungen von Gedichten Baudelaires verlegte Weißbach erst 1923 als zweisprachige Ausgabe.
Zum Teil (erstes Drittel des Briefes) gedruckt: Walter Benjamin, Gesammelte Briefe, Band II Nr. 295 (nach einer Beschreibung im Stargardt-Katalog 628, 1983).
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