Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. "Felix MB". Frankfurt a.M. 20./21.VII.1836. 3 1/2 Seiten gr.-8°. Mit Siegel und Adresse (kleines Loch an der Sigelstelle). Schwach gebräunt. Faltenriss. An Karl Klingemann in London, seinen besten Freund, dessen Lieder er vertonte. Der Brief stammt aus dem glücklichen schaffensreichen Sommer des Jahres 1836 in Frankfurt a.M., wo er vertretungsweise den Cäcilienverein leitete. Zunächst über sein "Paulus" Oratorium, dessen Uraufführung am 22. d.J. in Düsseldorf stattgefunden hatte. "... Dank Dir, daß Du gute Worte über mein Oratorium gesagt hast; in der letzten Arbeit die ich jetzt damit vorgenommen habe, hat es glaube ich bedeutend gewonnen, namnetlich der Anfang des ersten u. das Ende des zweiten Theiles ... Noch ehe ich Deinen Brief mit dem Rath das Orat. auch in England erscheinen zu lassen erhielt, hatte mir Novello" (der Verleger Vincent N.) "deshalb geschrieben ... und gestern habe ich seinen zweiten Brief bekommen, worin er meine Forderung bewilligt, und ganz geschwind die Partitur haben will, um in einem großen Musikfeste wenigstens etwas daraus zu geben, da es zum Ganzen zu spät sei ... Gott gebe, daß sie es gnädig behandeln ... O bitte, wenn Du kannst, so schmiege Dich an Sir George" (der Dirigent und Komponist Sir G. Smart, der mit dem Verleger zusammenarbeitete) "und inspirire ihn, als sein und mein guter Engel. Denn Du weißt, wie es klingt, was sich allein ausnehmen wird, u. kannst am besten entscheiden ..." Jetzt ist schon wieder der 21ste ... und der Brief ist so ledern wie ein Feuereimer, oder als wäre ich ein angehender Comtoirist ... / In welchem trouble ich hier die vorigen Wochen zubrachte ist kaum säglich; unter andern kam eines Abends plötzlich Lindblad" (der schwedische Komponist Adolf Fredrik L.) "... ins Zimmer; blühend, munter aussehend, viel harmonischer u. behaglicher als sonst, mit dem wurden 4 vergnügte Tage verlebt, aber es brachte mich herunter so den ganzen Tag in Gesellschaft ... Hierauf kam Alexander Mendelssohn" (sein Cousin) "mit seiner ganzen Familie u. seinen zwei nun auch erwachsenen Töchtern durch; dabei gehn die Frankfurter Musikgesellschaften ihren Gang fort, ich habe aber ihrer, und aller andern in der Welt übergenug und bin sie satt; nur wenn ich Abends bei Hiller bin und mit ihm plaudere, oder bei den schönen Nichten, da wird es mir wohl, und ich habe wieder einige frohe Stunden ..." Mit den "schönen Nichten" sind die Schwestern Cécile und Julie Sophie Jeanrenaud gemeint, bei deren Mutter Mendelssohn wohnte, wobei es wohl Cécile war, die seine Stimmung beflügelte; "er sei so entsetzlich verliebt", schrieb er vier Tage nach diesem Brief an seine Schwester Rebecka. Erwähnt den Maler Friedrich Wilhelm Schadow.
"Sämtliche Briefe" Band 5 Nr. 1387.
4000,- EUR
Differenzbesteuert/Subject to margin taxation
Kontakt zum
Xantener Str. 6 • 10707 Berlin
Telefon: +49 308822542
Mail: info@stargardt.de • Web: https://www.stargardt.de
Mobil: +49 1725670034
