Rare Books Berlin - Internationale Messe für Bücher und Graphik


J.A. Stargardt

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BENJAMIN, Walter, 1892-1940

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Berlin 15.IX.1921. 2 Seiten 4°. An (den Heidelberger Verleger Richard) Weißbach, mit dem er eine Zeitschrift mit dem Titel "Angelus Novus" herausgeben wollte. Er hoffe, Weißbach im Winter in Berlin "für unsere Besprechung" treffen zu können. "... Ich bin mit einer ganzen Anzahl Manuscripte hier angekommen, die ich neu zunächst sichten werde. Erfreulicherweise sind Sachen von [Samuel] Agnon darunter, der seine Mitarbeit zugesagt hat. Sie erinnern sich vielleicht, daß ich in Heidelberg die Hoffnung aussprach ihn gewinnen zu können. Das erste Heft wird eine Erzählung 'Die neue Synagoge' von ihm enthalten. Weiter hoffe ich Beiträge eines holländischen Bekannten Henri Borel" (niederländischer Publizist und Schriftsteller), "eines der größten Kenner Chinas, früher holländischer Konsul dort, bringen zu können. Es trifft sich sehr glücklich, daß dieser in nächster Zeit nach Berlin kommt. Vielleicht kann ich ihn zu einer Niederschrift über den Geist der chinesischen Sprache veranlassen. Ich selbst habe mich ... mit einer Kritik der Goetheschen Wahlverwandtschaften beschäftigt, die ich für den Angelus vorbereite ..." - Die Abhandlung sollte später in zwei Teilen in den "Neuen Deutschen Beiträgen" erscheinen (April 1924 und Januar 1925). "... Beiliegend überreiche ich Ihnen meine Arbeit über Gewalt, die in diesen Tagen erschienen ist. Sie ist - wie ich wohl gelegentlich erwähnte, der zweite von drei politischen Aufsätzen, von denen der erste ebenfalls fertig ist (ich möchte ihn im Angelus bringen), der letzte sich noch im Werden befindet. Bevor ich Ihnen nun in einiger Zeit den Entwurf meines Prospektes übersende, hoffe ich wegen der Satzproben des Baudelaire noch Nachricht von Ihnen zu erhalten. Sie müssen ja wohl jeden Tag eintreffen ..." - Sein bedeutender Aufsatz "Zur Kritik der Gewalt" war im "Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" erschienen. Seine Übersetzungen von Gedichten Baudelaires verlegte Weißbach erst 1923 als zweisprachige Ausgabe.


6000,- EUR
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LEIBNIZ, Gottfried Wilhelm Freiherr von, Philosoph, Mathematiker und Historiker, 1646-1716.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Gottf. Wilh. Leibniz. d." Mainz 19./29.VI.1671. 2 1/2 Seiten 4°. Französisch. Mit weitgehend erhaltenem Ringsiegel und Adresse. Etwas Mäusefraß am rechten Rand des Doppelblattes (ohne Textverlust), Innenseiten mit leichtem Lichtrand, kleine Randdefekte zum Teil alt ausgebessert, sonst wohlerhalten. Früher Brief an (Hans Eitel von Diede zum Fürstenstein), in der Adresse "Monsieur Tide", dem der 25-jährige Leibniz, damals kurfürstlicher Rat am Mainzer Revisionsgericht, zu seiner Ernennung zum Burggrafen von Friedberg gratuliert und von seinen neuen Verbindungen in der wissenschaftlichen Welt berichtet. Zuerst schildert er kritisch ein Experiment zur Gewinnung von Eisen aus Lehm, das der Arzt und Alchemist Johann Joachim Becher (1635-1682), auf der Durchreise nach Holland, im Mainzer Schloß durchgeführt habe. "... Quant aux curiositez et belles lettres, dont vous estez grand amateur à l'exemple de tous les hommes d'esprit, j'ay presque rien de nouveau, hormis l'experience du Sieur Becher, par la quelle il pretend faire le fer artificiellement, d'une matiere nullement metallique, Sc,avoir de limon commun, & d'huile de lin mélez et papez par ensemble, & tourmentez par le feu; dont ayant distillé l'huile par la retorte, & pulverisé, & lavé, & agité avec de l'eau, se trouve au fond une poudre toute noire & pesante, & metallique; la quelle mise sur un papier, & le magnet dessous se remue avec le magnet, comme la limaille du fer. L'experience est vraye, & éprouvée icy, dans le chasteau auprés de son Altesse" (Kurfürst-Erzbischof Johann Philipp von Schönborn); "mais quant à la raison & theorie, il y a qui doutent fort, si la reaction de l'huile a contribué quelque chose, ou plustost, si le fer se trouve déja, en dedans de la terre, selon Sendivogius" (der Alchemist Michal Sedziwój, 1566-1636), "et le feu n'a fait autre chose que de découvrir: dont la decision a besoign d'un homme de plus d'experience, que de la mienne D'Angleterre, j'auray toutes les transactions (comme ils les appellent) que la Societé Royale a publiées, & quelques autres livres, qui sont arrivez déja à Hambourg, & j'espere la continuation par la faveur de Mr Oldenbourg Allemand, secretaire de la Societé Royale En France le Roy a aussi establi une Academie des Curieux depuis peu de temps, qui s'assemblent à la bibliotheque Royale, dont le Directeur est Monsieur de Carcavy, qui m'a respondu à mes lettres assez obligeamment, & promis de continuer la correspondance ..." Becher, damals in Diensten Kaiser Leopolds I. in Wien, versuchte sich in ähnlichen Experimenten wie dem hier geschilderten auch an der Gewinnung von Gold aus Sand. Wie von Leibniz vermutet entstand das Eisen nicht durch Bechers alchemistischen Prozess, sondern war, wie auch das später gewonnene Gold, bereits in der Ausgangssubstanz vorhanden. Leibniz erwarb und las viele Schriften Bechers; oft zustimmend, etwa was seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen betraf, eher kritisch, was seine naturwissenschaftlichen Arbeiten anging.1678 verhinderte er, dass Becher nach Hannover berufen wurde. Diede zum Fürstenstein (1624-1685) war als "der Lebende" Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft. Der vorliegende Brief ist der einzige bekannte der Korrespondenz mit Diede, er blieb wohl unbeantwortet.


20000,- EUR
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MENDELSSOHN BARTHOLDY, Felix, 1809-1847.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. "Felix MB". Frankfurt a.M. 20./21.VII.1836. 3 1/2 Seiten gr.-8°. Mit Siegel und Adresse (kleines Loch an der Sigelstelle). Schwach gebräunt. Faltenriss. An Karl Klingemann in London, seinen besten Freund, dessen Lieder er vertonte. Der Brief stammt aus dem glücklichen schaffensreichen Sommer des Jahres 1836 in Frankfurt a.M., wo er vertretungsweise den Cäcilienverein leitete. Zunächst über sein "Paulus" Oratorium, dessen Uraufführung am 22. d.J. in Düsseldorf stattgefunden hatte. "... Dank Dir, daß Du gute Worte über mein Oratorium gesagt hast; in der letzten Arbeit die ich jetzt damit vorgenommen habe, hat es glaube ich bedeutend gewonnen, namnetlich der Anfang des ersten u. das Ende des zweiten Theiles ... Noch ehe ich Deinen Brief mit dem Rath das Orat. auch in England erscheinen zu lassen erhielt, hatte mir Novello" (der Verleger Vincent N.) "deshalb geschrieben ... und gestern habe ich seinen zweiten Brief bekommen, worin er meine Forderung bewilligt, und ganz geschwind die Partitur haben will, um in einem großen Musikfeste wenigstens etwas daraus zu geben, da es zum Ganzen zu spät sei ... Gott gebe, daß sie es gnädig behandeln ... O bitte, wenn Du kannst, so schmiege Dich an Sir George" (der Dirigent und Komponist Sir G. Smart, der mit dem Verleger zusammenarbeitete) "und inspirire ihn, als sein und mein guter Engel. Denn Du weißt, wie es klingt, was sich allein ausnehmen wird, u. kannst am besten entscheiden ..." Jetzt ist schon wieder der 21ste ... und der Brief ist so ledern wie ein Feuereimer, oder als wäre ich ein angehender Comtoirist ... / In welchem trouble ich hier die vorigen Wochen zubrachte ist kaum säglich; unter andern kam eines Abends plötzlich Lindblad" (der schwedische Komponist Adolf Fredrik L.) "... ins Zimmer; blühend, munter aussehend, viel harmonischer u. behaglicher als sonst, mit dem wurden 4 vergnügte Tage verlebt, aber es brachte mich herunter so den ganzen Tag in Gesellschaft ... Hierauf kam Alexander Mendelssohn" (sein Cousin) "mit seiner ganzen Familie u. seinen zwei nun auch erwachsenen Töchtern durch; dabei gehn die Frankfurter Musikgesellschaften ihren Gang fort, ich habe aber ihrer, und aller andern in der Welt übergenug und bin sie satt; nur wenn ich Abends bei Hiller bin und mit ihm plaudere, oder bei den schönen Nichten, da wird es mir wohl, und ich habe wieder einige frohe Stunden ..." Mit den "schönen Nichten" sind die Schwestern Cécile und Julie Sophie Jeanrenaud gemeint, bei deren Mutter Mendelssohn wohnte, wobei es wohl Cécile war, die seine Stimmung beflügelte; "er sei so entsetzlich verliebt", schrieb er vier Tage nach diesem Brief an seine Schwester Rebecka. Erwähnt den Maler Friedrich Wilhelm Schadow.


4000,- EUR
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NIETZSCHE, Friedrich, Philosoph, 1844-1900.

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Dein FN." Ohne Ort und Datum (Pforta 24.IX.1859). 2 Seiten 12° (Doppelblatt, 12,3 x 10,5 cm). Mit Siegelrest und Adresse. Faltspuren, leicht angestaubt. Bugfalte weitgehend getrennt. Kleiner Ausriss durch Öffnen des Siegels. Als vierzehnjähriger Gymnasiast an seinen Jugendfreund Wilhelm Pinder in Naumburg, dem er von seiner Versetzung in die Obertertia berichtet; ferner wegen einer gemeinsamen Wanderung in die nähere Umgebung Pfortas. "Ich konnte dir in dieser Examenzeit gar nicht schreiben, aber dir nun jetzt von allen Nachricht geben. Unsre schriftlichen Arbeiten waren leicht; ich habe im lateinischen Docimasticon I in den lat. Versen Ib, in der deutschen Arbeit (Ino und Athamas) Ib und im griech. Doc. IIa-b, in mathem. Doc. IIb. Ich bin mit nach Obertertia gekommen mit folgender Censur: Lat. IIa Griech. IIa Mathem. IIa Deutsch. IIa Wenn du mich in Pforta aufsuchen willst, so wirst du mich in der achten Stube finden: ich bin Unterer von Braune I. Wie steht es übrigens mit unserer Parthie. Du machst sie doch ja mit? Ich erwarte dich also Freitag früh um 7 oder 8 Uhr im Schulgarten; denn da wirst du mich doch finden. Wir wollen uns dann einen ganz gemüthlichen Tag machen: Wir gehen über die Rudelsburg und dann links hin immer ins Land hinein, wo wir noch niemals gewesen sind, nimm doch zur Vorsorge deine Botanisirtrommel mit. Ich freue mich recht sehr darauf. - - Da schreibt mir die Mamma, daß du von einem recht schmerzlichen Verlust heimgesucht bist. Es hat mich sehr betrübt und du wirst wohl jetzt recht traurig sein. Ich weiß deßhalb nicht, ob dir unsre Parthie noch lieb sein wird; bitte schreib mir vor Freitag noch darüber ... Semper Nostra Manet Amicitia!!" Nietzsche war im Vorjahr als Stipendiat in die Landesschule Pforta aufgenommen worden, 1864 legte er hier die Reifeprüfung ab.


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J.A. Stargardt

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