Umfangreicher, eigenhändiger und sehr persönlicher Brief an die Grossfürstin Anna Fjodorowna, geb. Prinzessin von Sachsen-Coburg, unterschrieben "Deine theure Freundin Luise", datiert Charlottenburg, den 21. Juni 1804. 4 Seiten auf einem Doppelblatt, das erste Blatt mit rotem Rand und blindgeprägter Bordüre, das letzte Blatt mit ausgestanztem Monogramm, Blattgröße 18 x 11,7 cm.
Die Empfängerin des Briefes war die Prinzessin Juliane Henriette Ulrike von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1781 - 1860), die seit ihrer Heirat 1795 unter dem Namen Anna Fjodorowna russische Großfürstin war. Die Ehe mit dem Großfürsten Konstantin, der als gewalttätig bekannt war, verlief unglücklich, Anna floh 1801 und lebte an verschiedenen Orten in Europa. Luise schildert in dem Brief ihre Betrübnis über die Trennung und berichtet ausführlich von den für die Adressatin ausgeführen "Commissionen" in Berlin, das heißt den Einkäufen, vor allem von Kleidungsstücken. "Notre retour (in den Jahren 1803 bis 1805 führten verschiedene Reisen das Königspaar in die fränkischen Besitzungen, nach Darmstadt, nach Thüringen und Schlesien, Anm. E.T.) a été triste et morne, personne n'a dit un mot ... Je crois que je n'ai pas besoin de Vous répéter que je Vous aime bien serieusement, et que je Vous suis attachée pour la Vie. Ich freue mich so ... daß ich dich ganz kenne und dich so hertzlich lieb haben kann. bleib mir auch immer ein wenig gut! - Ma matinée a été bien triste et passé bien solitairement, ma seul consolation a été de m'occuper de Vous ma chère Amie. Je venais de Berlin dans ce moment, au j'ai fait toutes Vos commissions, et j'espère que Vous en serez contente. Les Etoffes pour la Sr: de W: (d.i. die Prinzessin von Württemberg) sont jolie je vous en enverai les echantillon dans première lettre. Il s'est trouvé un chapeau fini et fait par Vos ordres chez Michelet comme celui que je fait faire pour Votre S. de W: (die Schwester Antoinette) , je le joindrai dans un grand paquet que j'enverai bientôt à Cobourg ... Je joins ici deux échantillon de Lakirte Haube pour Votre frere, qui doit choisi la quelle il veut ...". Kommt schließlich nochmals auf ihren Trennungsschmerz zu sprechen: "... ich bin ganz zerstöhrt, niedergeschlagen und miserabel traurig, und Kopfweh von der andern Wellt. Le Roi tout aussi triste que moi ...". Ihre Hofdamen rühmten "... Votre charmante présence, et la délicieuse société de Vos Dames, et Monsieur fait bien des complimens à Votre Cour, il dit bien que chaqu'une Dame avait égu m'attacher d'une autre manière, par l'Esprit, par la gayeté, par des talens agréables, par la complaisance, enfin par toutes les bonnes qualités que j'avais decouvris ...". Füllt z. T. noch die Ränder mit Hinweisen wie dem, dass sie jetzt zum Essen gehe, damit sie nicht zu spät ins Theater komme, wo sie sich ein Ballett ansehen möchte. Die leidenschaftlichen Schlußworte dann wieder auf deutsch: "... vergiß mich nicht und liebe mich immer so wie ich Dich liebe. Ich werde nie aufhören, Tausend Wünsche für Dein Glück und Deine Ruhe zu machen, auf ewig Deine treue Freundin Luise". Bei dem im Text erwähnten Lieferanten Michelet handelt es sich wohl um die Seidenfabrikanten Girard & Michelet, die als Berliner französisch-reformierte Familien gute Verbindungen nach Lyon unterhielten und hervorragende Qualität liefern konnten. Schöner Brief der legendären preussischen Königin, der sie als charmante, hilfsbereite und in Modefragen souveräne Freundin, als bisweilen auch einsame und traurige Königin und als nahezu bürgerlich empfindsame Person zeigt. Der Brief wurde in deutscher Übersetzung abgedruckt in: Malve Gräfin Rothkirch, Königin Luise von Preussen, Briefe und Aufzeichnungen 1786 - 1810, 1995, Nr. 176. - Zustand: Nahezu tadellos erhalten.
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