Weiblicher Rückenakt, um 1900. Rötelzeichnung auf mit Wasserzeichen markiertem Zeichenpapier, 36 cm x 44 cm (Blattgröße). Unten rechts eigenhändig mit der Künstlerligatur „LvH“ versehen. - Randbereiche stärker nachgedunkelt, leichte Knickspuren, minimal gewellt.
- Die Kontur des Jugendstils - Der weibliche Rückenakt wird durch eine ausgeprägte geschwungene Jugendstil-Konturlinie geformt, die den Blick am Körper entlanggleiten lässt und die Harmonie der weiblichen Formen als ornamentale Bewegung erfahrbar macht. Die Binnenkörpermodulation erzeugt Hofmann durch wie hingehaucht wirkendes Verwischen der roten Kreide, so dass der Körper – trotz der starken Kontur – äußerst zart erscheint und eine Aura der Anmut verströmt, wobei der expressive Schattenwurf die vom Körper ausgehende Wirkintensität noch verstärkt. Die Kopfhaltung ist gerade so gewählt, dass wir das Profil nicht einmal erahnen können. Auf diese Weise geht die Figur ganz in der Schönheit des lebendig wirkenden Körpers auf. "Das Expressive hat mich interessiert, nicht das Expressionistische. Ich fühle mich der Natur gegenüber demütig, will sie nicht vergewaltigen." Ludwig von Hofmann zum Künstler Ludwig Hofmann studierte von 1883 bis 1886 an der Kunstakademie Dresden bei Leonard Gey, Ferdinand Pauwels, Julius Scholtz, Friedrich Preller d. J. und Léon Pohle und war von 1886 bis 1888 Meisterschüler von Ferdinand Keller an Kunstakademie Karlsruhe. Früh entwickelte Hofmann eigenständige künstlerische Ideen, die Rainer Maria Rilke dazu bewegten, seinen Gedichtband „Lieder der Mädchen“ von Hofmann illustrieren zu lassen. Im Gegenzug widmete Rilke Hofmann den an seinen Werken inspirierten Gedichtzyklus „Die Bilder entlang“. Die Verbindung zur Literatur ist für Hofmanns Oeuvre kennzeichnend: Zur 1905 erschienen Grafikmappe „Tänze“ verfasste Hugo von Hofmannthal ein Vorwort, mit dem Hofmann ebenso wie mit Maurice Maeterlinck, Stefan George und später insbesondere mit Gerhard Hauptmann befreundet war. Und auch später betätigte sich Hofmann, zusammen mit dem Buchkünstler Marcus Behmer, als Illustrator. So beispielsweise für die Odyssee-Übersetzung Leopold Zieglers oder das Hirtenlied von Gerhart Hauptmann. 1889 hielt Hofmann sich als Student an der Académie Julian in Paris auf und wurde durch die Werke von Pierre Puvis de Chavannes und Paul-Albert Besnard angeregt. Ab 1890 war Hofmann dann als freischaffender Künstler in Berlin ansässig und Mitglied der später in der Secession aufgehenden „Gruppe der Elf“ um Max Liebermann und Max Klinger. Für die erste Ausstellung der Künstlergruppe XI gestaltete Hofmann die Einladungskarte, für die Freie Berliner Kunstausstellung 1893 und die Deutsche Kunstausstellung der Berliner Secession 1899 die Plakate. Auch auf den Ausstellungen der Sezessionen in Münchner und Wien war Hofmann mit Werken beteiligt. Seit der Gründung der Zeitschrift des Jugendstils "Pan", 1895, lieferte er, ebenso wie für die "Jugend" und "Ver Sacrum", regelmäßig graphische Beiträge. Von 1894 bis 1900 hielt sich Hofmann häufig in Rom und in seiner Villa bei Fiesole auf und lernt die Malerei Hans von Marées schätzen, dessen Vorstellung eines überzeitlichen antiken Arkadiens auch für Hofmanns Werk maßgeblich werden sollte. 1903 erhielt Hofmann den für seinen künstlerischen Werdegang wichtigen Ruf an die Großherzogliche Kunstschule in Weimar. 1905/06 malte Hofmann für Henry van der Veldes Museumshalle auf der Dritten deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden einen sechsteiligen Wandbildzyklus und 1907/08 den Monumentalfries für das Foyer des Weimarer Theaters. 1909 entstand das Monumentalbild "Neun Musen" für den Senatssaal der Universität Weimar. 1919 folgte die Ausgestaltung des Lesesaals der Deutschen Bücherei in Leipzig. In Weimar gehörte Hofmann zu der von Harry Graf Kessler initiierten, gegen die repressive Berliner Kunstpolitik gerichtete Bewegung „Neues Weimar“, aus der schließlich das Bauhaus hervorgehen sollte. Durch die internationalen Kontakte Kesslers wurde Hofmann mit Maurice Denis, Aristide Maillol und Theo van Rysselberghe bekannt, die verwandte Bildideen verfolgten. Zu Hofmanns Schülern in Weimar zählten Hans Arp und der Sohn Gerhard Hauptmann Ivo. Mit Gerhart Hauptmann verband Hofmann eine langjährige Freundschaft, die mit einem intensiven künstlerischen Austausch einherging. 1907 unternahmen sie eine gemeinsame Griechenlandreise, die Hofmann später - neben dem Werk des Malers Hans von Marées - als wichtigste Inspiration für seine künstlerische Entwicklung bezeichnet hat. 1916 trat Hofmann an der Kunstakademie Dresden die Nachfolge Hermann Prells an und unterrichtete bis 1931 das Fach Monumentalmalerei. 1937 wurden einige Werke Hofmanns in Erfurt als „Entartete Kunst“ eingestuft, andere aber weiterhin in Deutschland ausgestellt. 1945 starb Hofmann in Pillnitz. Der Hauptnachlass Ludwig von Hofmanns befindet sich in Potsdam, wo auch die Ludwig-von-Hofmann-Gesellschaft ihren Sitz hat. Hofmann wurde mit zahlreichen Preisen geehrt: 1896 erhielt er die Gold-Medaille der Internationalen Kunstausstellung in Berlin, 1897 die Gold-Medaille der Internationalen Kunstausstellung Dresden, 1906 die Ehrenurkunde der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung Dresden, 1908 das Ritterkreuz II. Klasse des Sachen-Weimerischen Weißen-Falken-Ordens, 1917 den Verdienstkranz für Kriegshilfe, 1918 wird er zum Geheimen Hofrat ernannt, 1926 erfolgt die Ehrenpromotion der Philosophischen Fakultät Gießen und 1941 erhält Hofmann die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Zu den Sammlern seiner Werke zählten die österreich-ungarische Kaiserin Elisabeth ebenso wie die Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin und Wilhelm von Bode. Thomas Mann ließ Eindrücke von Hofmanns Werk in seinen Roman „Der Zauberberg“ einfließen. Das von ihm 1914 erworbene Bild "Die Quelle" hing bis zu seinem Tod in Thomas Manns Arbeitszimmer. 2005 wurde dem erst allmählich wiederentdeckten Ludwig von Hofmann in seiner Geburtsstadt Darmstadt eine große monografische Ausstellung gewidmet. "Hofmanns Schaffen ist geprägt von der Suche nach einem Tradition und Moderne vereinenden neuidealistischen, neuklassischen Stil sowie seinem Interesse an der rhythmische bewegten Figur.“ Annette Wagner-Wilke
750,- EUR
Differenzbesteuert/Subject to margin taxation
Sachgebiete: Erotica, Jugendstil, Zeichnungen
Kontakt zum
Fehmarner Straße 16 • 13353 Berlin
Telefon: 0176 226 19 112
Mail: contact@arcadia-art.de • Web: https://www.arcadia-art.de

Arkadien ist ein unerreichbarer Sehnsuchtsort, den einzig die Kunst zu veranschaulichen vermag. Begeben Sie sich auf eine Entdeckungsreise nach Arkadien – ins Reich der Kunst!
Bei der Werkauswahl ist stets mein ganz persönlicher Blick leitend, so dass kein Kunstwerk angeboten wird, welches ich nicht auch für sich selbst erwerben würde. Die Kunst hat sich mir von Kindesbeinen an mitgeteilt. Für mich ist es evident, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt und auch die Kunst ein Quell des Lebens bildet. Als Kunsthistoriker lasse ich den präsentierten Kunstwerken eine ihnen angemessene Betrachtung zuteilwerden und verbindet auf diese Weise Passion und Profession miteinander.
Bei Arcadia Art treffen heutzutage kanonisierte Künstler auf Künstler, die nicht mehr in derselben Weise im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, zu ihrer Zeit mitunter aber hoch geschätzt wurden und ihrer Wiederentdeckung harren. Auch in den weiten Feldern außerhalb der jeweils geltenden Kanonisierungen wird aufmerksam nach künstlerischer Qualität gefahndet, die sichtbar gemacht werden soll. Dabei hat die Grenzziehung zwischen Tradition und Moderne keine Gültigkeit.