Porträt von Tilla Durieux, 1930. Schwarz patinierte Bronze, rückseitig mit "E. Barlach" signiert und mit Gießerstempel "H. Noack Berlin" versehen. Schult 127. Provenienz: Aus dem Nachlass Peter Schwichtenbergs - stellenweise leicht berieben, ein sehr kleiner Verlust der Patina auf der linken Wange
- Die Aura der Unnahbarkeit - Von Tilla Durieux ging eine faszinierende, beinahe magische Wirkung aus. Wie keine andere Schauspielerin ihrer Zeit verkörperte sie den Inbegriff der weiblichen erotischen Macht. Das Gemälde in der Rolle der Circe von Franz von Stuck aus dem Jahre 1912 veranschaulicht sie als Femme fatale. Auch Ernst Barlach war von Tilla Derieux angezogen und schuf im selben Jahre gleich vier Gipsmodelle, von denen die dritte und vierte Version auf Betreiben des Galeristen Alfred Flechtheim ab 1930 unter der Leitung Barlachs in Bronze gegossen wurden. Während die letzte Version die Schulterpartie mit zur Darstellung bringt und sich damit in die Tradition des repräsentativen Büstenporträts einreiht, weist die hier angebotene Version einen weit intimeren Charakter auf, der umso mehr die Unnahbarkeit der Schauspieler-Ikone zur Darstellung bringt, was von der schwarzen Patina noch unterstrichen wird. Während die zusammengebundenen Haare eher summarisch ausgearbeitet sind, sind die Gesichtszüge fein und scharf geschnitten, ohne jedoch Barlachs modellierenden Stil aufzugeben, der die Dargestellte von innen heraus durchzuformen scheint. Gerade weil die vor allem am Hals und den Ohren präsente ‚grobe‘ Formgebung bestimmend bleibt, wirken die Gesichtszüge umso filigraner. Mit durchdringendem und entschlossenem Blick schaut Tilla Durieux in die Ferne, wobei die Nase und die Spitze des Kinns, auf welche die Linien der Wangen zulaufen, die Fokussierung des Blicks noch verstärken. Die gesamte stark symmetrisch ausgeprägte Physiognomie hat den Anschein, eine zugleich archaische wie moderne Göttin zur Darstellung zu bringen. zum Künstler Nach seinem Studium an der Gewerbeschule in Hamburg und der Kunstakademie in Dresden bei Robert Diez war Barlach als freischaffender Künstler tätig. Aufenthalte in Paris und besonders eine Reise nach Russland im Jahr 1906 beeinflussten seine Kunst nachhaltig. Die Begegnungen mit dem einfachen Leben der russischen Bauern und der Volkskunst führten zu einer neuen, ausdrucksstarken Formensprache, die Realismus und Expressionismus miteinander verband. Barlach nahm regelmäßig an Ausstellungen der Berliner Secession, des Sonderbundes und beim Kunstsammler und Verleger Paul Cassirer in Berlin teil. Ab 1910 lebte Barlach mit seiner Mutter und seinem Sohn in Güstrow, wo er ein eigenes Atelier errichtete. Dort entstanden viele seiner bekanntesten Werke. Dort arbeitete er nicht nur als Bildhauer, sondern schrieb auch Dramen. Der Erste Weltkrieg veränderte seine Einstellung grundlegend. Anfangs unterstützte er den Krieg, später wurde er zu einem überzeugten Pazifisten. Diese Haltung spiegelt sich besonders in seinen Mahnmalen wider. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Der Schwebende“ im Güstrower Dom, „Der Geistkämpfer“ in Kiel sowie weitere Ehrenmale für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Während der Zeit des Nationalsozialismus geriet Barlach zunehmend unter Druck. Obwohl er 1934 einen Aufruf unterschrieb, der seine Loyalität zu Adolf Hitler bekundete, wurden seine Werke später als „entartete Kunst“ eingestuft. Viele Skulpturen wurden aus Kirchen und öffentlichen Plätzen entfernt, Ausstellungen verboten und zahlreiche Werke aus Museen beschlagnahmt oder zerstört.
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Sachgebiete: Moderne Kunst, Plastik
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Bei der Werkauswahl ist stets mein ganz persönlicher Blick leitend, so dass kein Kunstwerk angeboten wird, welches ich nicht auch für sich selbst erwerben würde. Die Kunst hat sich mir von Kindesbeinen an mitgeteilt. Für mich ist es evident, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt und auch die Kunst ein Quell des Lebens bildet. Als Kunsthistoriker lasse ich den präsentierten Kunstwerken eine ihnen angemessene Betrachtung zuteilwerden und verbindet auf diese Weise Passion und Profession miteinander.
Bei Arcadia Art treffen heutzutage kanonisierte Künstler auf Künstler, die nicht mehr in derselben Weise im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, zu ihrer Zeit mitunter aber hoch geschätzt wurden und ihrer Wiederentdeckung harren. Auch in den weiten Feldern außerhalb der jeweils geltenden Kanonisierungen wird aufmerksam nach künstlerischer Qualität gefahndet, die sichtbar gemacht werden soll. Dabei hat die Grenzziehung zwischen Tradition und Moderne keine Gültigkeit.