Eigenhändiger Brief in französischer Sprache mit Unterschrift „Frederic“. Von fremder Hand datiert „le 17. de Novb: 1769 Sansouci“. 4to. 1/2 S. Mit schmalem Trauerrand. 23,5 x 18,5 cm.
Außergewöhnlich persönliches und bewegendes Kondolenzschreiben Friedrichs des Großen an eine seiner Schwestern, geprägt von Reflexionen über Verlust, Schmerz und die Vergänglichkeit menschlicher Beziehungen. Der Brief richtet sich vermutlich an Friedrichs Schwester Philippine Charlotte, Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg (1716–1801), oder an Anna Amalia, Äbtissin von Quedlinburg (1723–1787), zu denen der König zeitlebens ein besonders enges Verhältnis unterhielt. Anlass des Schreibens war höchstwahrscheinlich der Tod ihrer gemeinsamen Schwester Sophie Dorothea Marie, Markgräfin von Brandenburg-Schwedt, die am 13. November 1765 nach längerer Krankheit im Alter von nur 46 Jahren verstorben war. Obwohl der Verlust seit langem vorhersehbar gewesen sei, treffe er die Hinterbliebenen dennoch mit unverminderter Härte: „Quoi que nous ayons été averti longtems du funeste Coup qui nous menassoit, cela n'empeche pas ma chère Soeur qu'on n'en sente vivement les effets“ („Obgleich wir lange vor dem verhängnisvollen Schlag gewarnt waren, der uns drohte, verhindert dies doch nicht, meine liebe Schwester, dass wir seine Wirkungen tief empfinden“). In eindringlichen Worten schildert Friedrich die Macht natürlicher Gefühle und die Unausweichlichkeit der Trauer: „La Nature parle d'une voix Impérieuse et réclame ses pertes“ („Die Natur spricht mit gebieterischer Stimme und fordert ihre Verluste ein“). Freundschaft, Achtung und die Erinnerung an die Tugenden der Verstorbenen vereinigten sich, um den Schmerz noch zu verstärken. Besonders eindrucksvoll ist das Bild, mit dem Friedrich den gemeinsamen Verlust beschreibt: „... une Nature, qui a Vous et moy enfoncé le poignard au fond du Coeur ...“ („... eine Natur, die Ihnen und mir den Dolch tief ins Herz gestoßen hat ...“). Hinter dem oft als nüchtern und rational wahrgenommenen Monarchen erscheint hier der empfindsame Bruder, der den Tod eines nahestehenden Menschen als persönliche Verwundung empfindet. Darüber hinaus enthält der Brief eine bemerkenswerte Reflexion über das Alter und die Unersetzlichkeit langjähriger Beziehungen. Der damals 53-jährige König bemerkt, dass solche Verluste in fortgeschrittenen Jahren nicht mehr auszugleichen seien: „A mon Age ces pertes sont irréparables, parce qu'on ne trouve pas toujours de vrais amis, & qu'on n'a pas le tems de les éprouver et les connaître comme ceux avec lesquels on a vécu 40 ans“ („In meinem Alter sind solche Verluste unwiederbringlich, weil man wahre Freunde nicht immer findet und nicht mehr die Zeit hat, sie so kennenzulernen und zu erproben wie jene, mit denen man vierzig Jahre seines Lebens verbracht hat“). Ein ungewöhnlich intimes und menschliches Dokument Friedrichs des Großen, das weit über die höfische Konvention eines Kondolenzschreibens hinausgeht und einen seltenen Einblick in die Gefühlswelt des preußischen Königs gewährt. - Im rechten Rand mit kleiner Fehlstelle außerhalb des Textes.
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