Rinaldo Rinaldini der Räuber-Hauptmann. Eine romantische Geschichte unsers Jahrhunderts in Drei Theilen oder neun Büchern. Zweite Auflage. (Ab Teil 4 mit dem 2. Titel:) Ferandino. Fortsetzung der Geschichte des Räuber-Hauptmanns Rinaldini. 6 Teile mit zus. 18 Teilen in 2 Bänden. 1 Bl., 268, 232 S.; 190 S, 1 w. Bl., 136, 119 S. Mit 3 (von 6) Kupfertafeln von F. Weber. Gering spätere Halblederbde mit vergold. Rückenschildern und Filetenvergoldung. Leipzig 1800-1801.
Sehr frühe zweite Ausgabe des berühmten Räuberromans, wie alle frühen Ausgaben äußerst selten. Die Teile 4-6 als „neue durchgesehene und verbesserte Auflage“ vorliegend. Die Erstausgabe von 1799 ist nahezu unauffindbar und der Roman erlebte bis in die Gegenwart zahlreiche Neuauflagen. Er gilt als der erfolgreichste deutsche Räuberroman des 19. Jahrhunderts. „Mit lebhafter Phantasie und leichter Feder schrieb Vulpius eine Reihe von abenteuerlichen Romanen nach altem Muster, bis er durch den Rinaldo Rinaldini ... den Räuberroman nach Italien verlegte und damit der ganzen Gattung einen romantischeren Anstrich gab“ (Goedeke). „Der wohl berühmteste Räuberroman der deutschen Literatur, ... gehörte zu den erfolgreichsten Prosawerken seiner Zeit“ (Plaul, Trivialliteratur, S. 134 f.). Der wirkliche Rinaldo lebte im 18. Jahrhundert im Königreich Neapel. Bei Vulpius ist er der Bandit aller Banditen, wagemutig, unerschrocken und kühn, der Schrecken des Apennins. 1830 erschien im „Literatur-Blatt“ die Rezension eines unbekannten Verfassers zu einem Nachfolgeroman von Moritz Richter: ‚Nikanor, der Alte von Fronteja. Fortsetzung der Geschichte des Rinaldo Rinaldini‘, die grundsätzlich auf die Stellung des Trivialromans im deutschen Literaturbetrieb einging: „Es gibt in Deutschland offenbar zweierlei Literaturen, eine patrizische und eine plebejische … Welcher unserer großen Kritiker und Literaturhistoriker hat es noch der Mühe Werth gehalten, dem Rinaldini seine Aufmerksamkeit zu schenken, und doch hat dieser Roman wenigstens sechs Auflagen erlebt und eine ganze Legion Schwester- und Tochterromane veranlasst … Wer hat nun den Vorzug, der gelobt und nicht gelesen, oder der gelesen und nicht gelobt wird? Außer einigen Schiller’schen Trauerspielen ist sicher kein poetisches Werk der Neuern so oft gelesen worden als Rinaldini.“ Christian August Vulpi-us (1762 - 1827) wurde durch die Heirat seiner Schwester Christiane 1806 mit Johann Wolfgang von Goethe dessen Schwager. Aus Zeit der Liaison Goethes mit Christiane Vulpius davor stammen die ersten Veröffentlichungen, bei denen ihm Goethe teilweise schon beratend zur Seite stand. Mit Goe-thes Unterstützung nahm sich im Herbst 1789 der Leipziger Buchhändler Georg Joachim Göschen Vulpius’ an; er stellte ihn als Sekretär ein. Später war Vulpius am Theater in Weimar als Librettist und Bearbeiter für Bellomo und Goethe tätig. 1797 erhielt er eine feste Anstellung als Registrator der Bi-bliothek in Weimar; auch hier war vermutlich Goethe vermittelnd tätig. 1800 wurde er zum Biblio-thekssekretär befördert. Zusammen mit seinem ältesten Sohn Rinaldo nahm August Vulpius am ersten Wartburgfest von 1817 teil. – Es existiert eine weitere Ausgabe mit dem Druckvermerk „Leipzig 1800“, mit abweichender Kollation und Verlegerangabe. Exemplare mit drei den Kupfern in den er-sten drei Teilen sind äußerst selten. Vermutlich wurden sie nachgeliefert. Hier liegen sie in Kopie bei. Alle anderen Kupfer sind vorhanden. – Exlibris Georg Siemens. Nur gelegentlich stockfleckig, leicht gebräunt. Gutes Exemplar. – Goed. V 512, 23; Hayn-G. VI 466; Vulpius 75; S. 93.
1500,- EUR
inkl. 7% USt./incl. 7% VAT
Sachgebiete: Illustrierte Bücher, Literatur bis ca. 1900
Kontakt zum
Dickhardtstraße 48 • 12159 Berlin
Telefon: +49 (0)30 851 66 13
Mail: info@braecklein.berlin • Web: https://www.braecklein.berlin