Frauen-Zimmers Zeit-Vertreib, oder Reiches Gemach von außerlesenen Experimenten und Curiositäten bestehend in einen (sic) neuen Vollkommenen Koch-Buch, Zeigend die rechte Art und Weise, wie man allerhand Fleisch, Fische und Geflügel künstlich zubereiten könne, sampt einer Präservier- und Candir-Kunst ... Dazu auch angehänget ist eine kleine Frauen-Zimmers Apothecke. Anfänglich in Englischer Sprache ... Jetzo aber den Teutschen Frauen-Zimmer zu Nutzen in ihre Sprache versetzet und dieser dritte Druck viel vermehret. 3 Teile in 1 Bd. 113 (recte 111) S., 4 Bl.; 138 S., 5 Bl.; 47 S., 2 Bl. Titel in Rot und Schwarz. Kl.-8°. Halblederbd um 1900 (Gelenke etwas berieben) mit Rückentitel und Rückenvergoldung. Hamburg, Gottfried Schultze Wittwe, 1688.
Außerordentlich seltene dritte und vermehrte deutsche Ausgabe, die deutsche Erstausgabe erschien 1674, die englische 1670. Enthält: I. „Der vollkommene Koch“ zeigt „die rechte Art und Weise aller-hand arten Fleisch, Vogel und Fische zuzurichten, ingleichen allerhand Schau-Essen, Pasteten, und wohlschmeckende Brühen künstlich zu bereiten“, mit zahlreichen Rezepten, II. „Präservir- und Can-dir-Kunst“ mit Anweisungen über das Einmachen von Früchten, aber auch über Backwaren und Kon-fitüren, ‚Aqua Vita‘, ‚Wohlriechendes Haar-Puder‘, ‚Herrlich Hertzstärckend Wasser‘, ‚Frantze Sup-pe‘, ‚China Suppe‘, ‚Blattermahlen zu vertreiben‘, ‚Fladen vor Schwindsucht‘, ‚Wasser für Melan-choley‘ usw. III. ‚Frauenzimmers Apothecke‘ mit allerlei Hausmitteln für Geburten, gegen Mundge-ruch, gegen Krebs, gegen Kropf, Podagra oder Lungensucht, um die Muttermilch zu befördern, aber auch Anweisungen zur Gesichtspflege wie Schminkwasser, ‚Angesicht rein und schön zu machen‘, ‚Jung zu machen‘, ‚Runtzeln zu vertreiben‘ oder ‚Rückgrat zu stärcken‘. Am Ende werden Speisen für die jeweiligen Jahreszeiten empfohlen. Alle drei Kapitel mit eigenem Register. Anna Woolley, eigent-lich Hannah Woolley (ca 1622–nach 1675), veröffentlichte im 17. Jahrhundert Bücher über Haushalts-führung, Kochen und Heilkunde. Sie gilt als die erste Frau in der englischsprachigen Welt, die ihren Lebensunterhalt hauptberuflich als Autorin von Ratgeberliteratur verdiente und Kochbücher veröf-fentlichte. Ihre Werke, die sich an Frauen der gehobenen Mittelschicht richteten, waren Bestseller und wurden mehrfach aufgelegt. Bevor sie Autorin wurde, arbeitete Woolley als Dienstmädchen in einem adeligen Haushalt, wo sie medizinische Kenntnisse erwarb, und später als Lehrerin in den Schulen, die sie zusammen mit ihrem ersten Ehemann leitete. Woolley wird oft als die „Martha Stewart des 17. Jahrhunderts“ bezeichnet, da sie einen erheblichen Einfluss auf die häusliche Praxis und die Rolle der Frau in der frühen Neuzeit hatte. Ihre Bücher halfen, hauswirtschaftliches Wissen zu professionalisie-ren und Frauen in ihrer Rolle als Managerinnen eines Haushalts zu stärken, was zu jener Zeit für eine Frau nicht nur in den „gehobenen Schichten“ sehr ungewöhnlich war. – Gebräunt und unterschiedlich fleckig, knapp beschnitten. Der Kupfertitel ist außen, die Überschriften oben angeschnitten. Sonst gutes Exemplar der großen Seltenheit. – Der KVK weist die Erstausgabe von 1674 in München, Dres-den, Wolfenbüttel, Coburg und in der Staatsbibl. Berlin nach; vorliegende vermehrte 3. Aufl. nur in Wolfenbüttel, ohne Frontispiz. Im Handel der vergangenen 10 Jahre können wir nur 5 weitere Exem-plare aller Ausgaben – inkl. der späteren von 1697 – nachweisen, davon 2 inkomplett. – VD17 23:712385R (nur Wolfenbüttel, defekt). Vgl. Paisey W1216 (dt. EA 1674), Vicaire S. 787 (engl. EA 1670) und Weiss 4289 (Ausg. 1677). Nicht bei Horn/Arndt und nicht in der Slg Böhme (verzeichnet nur den Hamburger Drucker ohne Titelnachweis). Nicht in den Sammlungen Alicke und Walterspiel.
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Sachgebiete: Barock, Kochbücher
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