Italiänische Anekdoten aus dem Reisejournal eines teutschen Gelehrten vom vorigen Jahrhundert. Mit Herrn Rath Jagemanns Vorrede. 6 Bl. 179 S., 1 nn. S. Druckfehler. Mit gestoch. Frontispiz. Pappbd d. Z. (berieben, oberes Kapital beschabt) mit Rückenschild und Rückenvergoldung. Leipzig, Weygand, 1787.
Erste Ausgabe dieser Italienbeschreibung aus zweiter Hand, die Vulpius (1762-1827), Goethes Schwager, als Wissens- und Kulturvermittler par excellence zeigen. Von seinen Kritikern als „federfertiger Wundermann“ belächelt, der den Geschmack von Ladenburschen und Köchinnen bedient, hatte sich Vulpius aller die aufklärerische Epoche bestimmenden, publikumswirksamen Methoden bedient, um breite Leserschichten zu erreichen. Und diese frühe Bemühung um „Volksaufklärung“ sollte man nicht unterschätzen. Während sein Weimarer Umfeld Italien besucht und eigene Berichte verfasst, während die Bildungsreise nach Italien Hochkonjunktur hat, reist Vulpius nicht ins Ausland, sondern in die Winkel der Archive und Bibliotheken. „Die ‚Italienische(n) Anekdoten‘ sind ein früher Beleg für die Formulierung eines Italienbildes bei Vulpius und überdies ein Meilenstein in der literarischen Entwicklung des Autors, da sie zum einen in enger Kooperation mit dem Italienisten Jagemann herausgegeben wurden und zum anderen eine Modellfunktion im Hinblick auf später bearbeitete und veröffentlichte Reiseberichte innehaben“ (Inka Daum. Italien aus zweiter Hand, S. 134). Die „Anekdoten“ sind ein Auszug aus einem Manuskript, das, wie Vulpius an Unger schreibt, ein Familienstück sei, „eine Reisebeschreibung nach Italien, vom Jahre 1690,1691. welches noch nie gedrukt, vielleicht die erste ist, welche ein Teutscher geschrieben hat“. Der Verfasser des Manuskripts soll Georg Christian Schmidt gewesen sein. Eine kluge Idee war es, den herzoglichen Rat Christian Joseph Jagemann als Mitherausgeber zu gewinnen. Dieser hatte jahrelang in Italien gelebt und war damals die maßgebliche Instanz für italienische Sprache und Kultur in Deutschland. Im August 1775 hatte Anna Amalia ihn zum „Bibliothecario“ ihrer Privatbibliothek ernannt und als Literaturwissenschaftler und Linguist machte Jagemann nun die italienische Kultur in Deutschland bekannt. Seine in Christoph Martin Wielands ‚Teutschem Merkur‘ veröffentlichten Briefe über Italien prägten die Elite der Residenzstadt, bei der die Liebe zur italienischen Sprache und Kultur besonders stark ausgeprägt war. In der Vorrede sagt Jagemann: „Ich bahne mir hierdurch den Weg der gegenwärtigen Reisebeschreibung Georg Christian Schmidts, welche Herr Vulpius in einem Auszug dem teutschen Publico mittheilt, ein verdientes Lob beizulegen. Sie ist durchaus historisch.“ Mit Widmung des Herausgebers an den Kammerherrn Freiherrn Franz Adolph von Hendrich. – Exlibris „Roberti comitis de Crewe“, wohl der britische Staatsmann und Schriftsteller (1858-1945). Das Rückenschild mit kl. Verlust. – Jahrbuch der Slg. Kippenberg VI, 72. 16; Inka Daum. „Italien aus zweiter Hand. Christian August Vulpius als Wissens- und Kulturvermittler“, Diss Jena 2016 (Akad. Verlagsgemeinschaft, München, 2019). Nicht im JAP 1990 ff. Nicht bei Goedeke, Engelmann, Tresoldi und Griep/Luber.
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Sachgebiete: Erstausgaben, Italien, Literatur bis ca. 1900, Reisen/Reiseliteratur
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