Satyrus Etymologicus, Oder der Reformirende und Informirende Rüben-Zahl: ... sampt einer wackern Compagnie der possirlichsten, und wahrhafftigsten Historien von gedachtem Schlesischen Gespenste ... sampt dem sonderbahrem Anhange, der kleine Blocks-Berg genannt. 6 Bl., 552 (recte 605) S., Mit doppelblattgr. gestoch. Frontispiz. Lederbd d. Z. (unteres Kapital restauriert, Vorderdeckel unten mit Oberhautverletzung des Leders und kl. Gelenkläsur) mit Rückentitel, reicher Rückenvergoldung und großen Wappensupralibros auf den Deckeln. Ohne Ort und ohne Drucker, (Chronogramm: 1672).
Erste Ausgabe, gleichsam eine Fortsetzung und Erweiterung der seit 1662 erschienenen Rübezahl-Geschichten „auf denen alle späteren Fassungen – auch die anderer Herausgeber – beruhen“ (Dünn-haupt). Praetorius (1630-1680) war ein ungemein fruchtbarer Polyhistor; seine von umfassender Bele-senheit zeugenden Veröffentlichungen waren bei den Zeitgenossen sehr beliebt und lieferten schon seit Grimmelshausen einer ganzen Generation deutscher Dichter unerschöpfliches Material. Auch Goethe schöpfte aus diesen Quellen, vor allem für seinen ‚Faust‘ aus Praetorius’ „Blockes Berges Verrichtung“. Auch in diesem Buch – obwohl dem Rübezahl gewidmet – wird im Frontispiz auf den Blocksberg hingewiesen. Heute kennt man Praetorius hauptsächlich durch die Entdeckung, Aufzeich-nung und Herausgabe der Rübezahl-Sagen. Praetorius verzeichnet zahlreiche Geschichten über den Berggeist aus dem Riesengebirge. Bis heute ist kein umfassenderes Werk zu diesem Thema erschie-nen. Es machte Rübezahl zu einer weit über Schlesiens Grenzen hinaus bekannten Gestalt. Als Quel-len gibt Praetorius einerseits gedruckte Bücher an, andererseits von Siedlern des Gebirges und Reisen-den stammende mündliche wie schriftliche Berichte. Er beruft sich auch auf Informationen von Heil-pflanzenhändlern, die Kräuter im Riesengebirge sammelten und dann Apothekern zur Weiterverar-beitung brachten. Diese ‚Wurzelmänner‘ betrachteten Rübezahl als Schutzpatron und behaupteten, dass er ihre Pflanzen mit besonderer Heilkraft versehen habe. Trotz ihrer Beliebtheit im 17. und 18. Jahrhundert sind alle Auflagen dieser Rübezahl-Sammlung heute sehr selten; dieser „Satyrus“ ist im Antiquariat noch seltener als die vorher unter dem Titel „Daemonologia Rubinzalii Silesii“ erschiene-ne Sammlung. „In spite of the halting German, Praetorius in this book has created the most vivid ghostly apparition of the century, a phantom which has persisted to the present time. One fearful story follows another. Rübezahl can take on any form and haunts everyone everywhere; but on the whole he remains just a humorous ‚Poltergeist‘ and at times even turns benevolent. He is undoubtedly the most amusing of all ghosts“ (Faber du Faur). Auf S. 195-277 eine umfangreiche Schäferei des Nürnberger Pegnitzhirten Johann Geuder (1640-1693) unter dem Titel: „Der Fried-seligen Irenen Lustgarten“. Darin zahlreiche Verseinlagen, darunter auch mehrere originelle Figurengedichte. Zum Wappensupra-libros hat Dr. Bertram Lesser von der Berliner Staatsbibliothek (fast) erschöpfend Auskunft geben können: „Das Wappen gehört den böhmisch-österreichischen Reichsgrafen Czernin von und zu Chu-denitz. Nach Auskunft von Ignaz Ritter von Schönfeld: Adels-Schematismus des Österreichischen Kaiserstaates, Band 1, Wien 1824, S. 172, handelt es sich bei den drei Buchstaben um die Initialen der habsburgischen Kaiser Ferdinand II., Rudolf II. und Matthias, denen die Familie ihre Privilegien ver-dankt. ... Welche(r) der zahlreichen Vertreter des Hauses allerdings der Bücherliebhaber war, entzieht sich ... meiner Kenntnis.“ Nach Karl-Eugen Czernin: „Kommentierte Stammreihe des Hauses Czernin von Chudenic ...“ könnte es sich um Humprecht Johann (1628-1682) handeln. – Mit dem meist feh-lenden bzw. defekten großen Frontispiz. Leicht fleckig bzw. gebräunt. Gutes Exemplar. – VD17 39:121019V; Dünnhaupt 45; Goed. III 238, 16, 11; Faber du Faur 762; Jantz 2023; Hayn 85. Nicht in der Sammlung Manheimer und in keinem der beiden großen Barockkataloge Kister/Seebaß.
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