Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau. Textband in 8° und Tafelband in Quer-gr.-Folio. 6 Bl., 272 S. (Tafelband:) 45 kolor. lithogr. Tafeln von Hermann, Mützel und Tempeltei nach Zeichnungen des Schinkel-Schülers Wilhelm Schirmer, davon 3 mit beweglichen Teilen und 2 doppelblattgroß, sowie 4 große, mehrfach gefaltete kolorierte Pläne von Voss und Bibel. Halbleinenband d. Z. (Textband), (Tafelband:) Halblederband d. Z. (neu gebunden) mit aufgezogenem grünen Originalumschlag sowie eine moderne Halblederkassette für den Textband und die Pläne. Stuttgart, Hallberger, 1834.
Erste Ausgabe des bedeutendsten deutschen romantischen Garten- und Landschaftswerkes in einem vollständigen und kolorierten Exemplar. Die prächtigen Tafeln geben einen wirklichkeitsnahen Ein-druck von der großartigen Parkanlage von Muskau (dem Stammsitz der Familie Pückler-Muskau) in der Oberlausitz wider. Bei der Planung dieser Parkanlage, dem schöpferischen Lebenswerks des Für-sten, nahm dieser häufig den Rat und das Urteil Schinkels in Anspruch. „In Fürst Pückler besaß die Landschaftsgärtnerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der schillerndsten, vielleicht begabte-sten, sicher ruhelosesten Erscheinungen des damaligen Deutschlands als ausübenden Künstler. Im Gegensatz zu Sckell und Linné konnte er seinen künstlerischen Ambitionen auf eigenem Grund und Boden und mit eigenen Mitteln nachgehen; niemand konnte ihm abverlangen, was ihm nicht selbst zusagte ... Bei diesem ‚Parkomanen‘ – so hat sich Pückler selbst genannt – könnte man geradezu von einem Zwang sprechen, seine Vorstellungen im Garten auszudrücken. ... Mit den Namen Muskau und Branitz sind die eigentlichen Stätten von Pücklers gartenkünstlerischer Tätigkeit genannt. Die Stan-desherrschaft Muskau an der Lausitzer Neiße hatte er 1811 von seinem Vater übernommen; nach den Befreiungskriegen und nach seiner ersten Englandreise verwirklichte er dort zwischen 1815 und 1845 seine Vorstellungen vom Landschaftsgarten. Dort wirkte er als ‚Parkomane‘, der seine Ziele über die Grenzen des Möglichen – lies: bis zum wirtschaftlichen Bankrott – verfolgte“ (Hennebo/Hoffmann, Bd III, S. 220f.) Idee, Planung und Verwirklichung werden in diesem Werk höchst eindrucksvoll vor-gestellt. Ein Vergleich im Hinblick auf das Kolorit mit dem 1986 in Leipzig erschienenen Faksimile „nach dem einzig vollständig erhaltenen Atlas“ zeigt, dass das Kolorit des vorliegenden Exemplars wesentlich naturnäher unf realistischer in den einzelnen Details gehalten ist. Vollständige Exemplare des großartigen Werks sind äußerst selten. Von 7 seit 1950 im deutschsprachigen Auktionshandel nachweisbaren Exemplaren waren nur 2 vollständig, von den lediglich 3 kolorierten nur eines. Durch Nummerierungsfehler, Änderungen während des Drucks und beigegebene Tafeln als Ausschnittbogen für die beweglichen Teile weichen die Angaben über die Anzahl der Tafeln häufig voneinander ab. Vollständig ist der Tafelband wie unser Exemplar mit 45 Tafeln und 4 Plänen, dabei die Tafeln II, XI und XXXIV a mit beweglichen Teilen. Diese Teile zeigen durch Alternativentwürfe oder Vorher- Nachher-Ansichten reizvolle landschaftliche Ausblicke. – Die Angabe auf dem Titelblatt des Textban-des „44 Ansichten und 4 Grundpläne“ beruht darauf, dass die Tafeln bis XXXXIV nummeriert sind und die doppelt gezählte Tafel XXXIV offenbar erst nach Drucklegung des Werks eingeschoben wur-de. – Der Textband (stockfleckig) liegt im 2. Druck vor, die Tafeln sauber und frisch, die Pläne mit dem Textband in einer modernen Halblederkassette. Vereinzelt Fleckchen, leichte Gebrauchsspuren. Schönes Exemplar. – Goed. XIV 4, 171, 445; Graesse V 504; Dochnahl 122; Berliner Ornamentstich-katalog 3389 (nur teilweise koloriert); Borst 1724 (mit 2 ganzseitigen Abbildungen).
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